Das blasse Gesicht des Jesuiten war noch um einen Schein fahler geworden, aber er beherrschte sich auch jetzt.

»Ich habe gehört und nicht gehört, Monsignore. Sie sind in Aufregung und ich bin nicht so lieblos, Sie darum für alles, was Sie eben gesagt haben, verantwortlich zu machen. Sie sollen über meine Zudringlichkeit nicht zu klagen haben, aber vergessen Sie auch nicht die Pflichten, die der heilige Stuhl berechtigt ist, von Ihnen erfüllt zu sehen. Es ist nicht gut, gegen den Stachel zu lecken, Herr Bischof von Mikrun!«

Er verneigte sich mit spöttischer Höflichkeit tief vor dem Prälaten und ging; Parelli aber atmete jetzt tief auf, dann trat er an das Fenster, öffnete es, als ob er eine andere, reinere Luft einlassen müsse, und nun ging er mit großen Schritten in dem Gemache auf und ab. Er hatte ein Gefühl des Wohlbehagens, wie er es seit langer Zeit nicht empfunden, das Gefühl der Befreiung von einem moralischen Drucke, der in gar mancher Stunde schwer auf ihm gelegen, am schwersten aber wohl damals, als der braune Junge aus der Campagna vor ihm auf den Knieen gelegen und mit gefalteten Händen ihn angefleht hatte, das Weib zu entlassen, das Felice die Frechheit besaß, seinen guten Engel zu nennen.

So hatte der junge deutsche Priester damals Sisto genannt, und er hatte mehr Recht. Die beiden Gestalten, der dunkellockige Knabe und Peter Frohwalt traten vor seine Seele, die nach der Berührung mit dem Reinen und Guten sich sehnte, und einem raschen Antriebe folgend, beschloß er, vor beiden sich zu rechtfertigen.

Er ließ seinen Wagen vorfahren und begab sich, da an diesem Tage keine Konzilssitzung stattfand, nach der Wohnung des jungen Priesters, welchen er auch daheim antraf, und der ihn erstaunt, aber mit gebührender Höflichkeit begrüßte.

»Wissen Sie, warum ich komme?« fragte der Prälat. »Ich habe das Bedürfnis, mein Gewissen zu entlasten, und bitte, Ihnen beichten zu dürfen.«

Frohwalt geriet beinahe in Verlegenheit.

»Verzeihung, bischöfliche Gnaden, aber ich besitze für Rom keine Berechtigung zur Ausspendung des Beichtsakramentes.«