Der Maler und Friederike empfingen ihn mit gewohnter Herzlichkeit und der Erstere rief:

»Hat unser alter Wandervogel schon Abschied genommen? Das kam ja mit einer merkwürdigen Plötzlichkeit über ihn, und ist für uns beinahe vorbedeutungsvoll geworden, denn sehen Sie, wir stehen gleichfalls auf dem Sprunge. Meine Schwiegereltern schreiben uns einen Brief, der Frühling rühre sich heuer schon im Sachsenlande, und die Schwalben kämen aus dem Süden, ob wir denn nicht das gute Beispiel nachahmen wollten. Das ist meinem Schatz so ins Herz gefahren, daß sie mit einmal alle Lust an Rom verloren hat, und ich bin ein so überaus folgsamer Gatte – was will ich thun? – Nächste Woche packen wir ein!«

»Das bedaure ich herzlich um meinetwillen,« sagte Frohwalt, »denn Sie wissen nicht, wie viel ich mit Ihnen verliere. Ich habe meine schönsten Stunden in Rom bei Ihnen verlebt, das vergesse ich Ihnen nicht …«

»Der Himmel hat uns hoffentlich nicht das letzte Mal zusammengeführt,« sprach Friederike herzlich und Quandt fiel ein:

»Und wir wollen uns nicht heute schon das Herz schwer machen! Wir sehen uns noch hier, und Dresden liegt doch auch nicht auf dem Monde oder irgend einem unerreichbaren Planeten. Aber jetzt wollen wir uns gemütlich zusammensetzen …«

Als sie saßen, berichtete Frohwalt, weshalb er eigentlich kam. Parelli, der nun ganz allein stehe, denn die Signora habe sein Haus verlassen, sehne sich nach Sisto und wünsche, ihn wieder bei sich zu haben. Daß die Zukunft des Knaben damit für alle Zeit gesichert wäre, sei selbstverständlich, und angesichts ihrer bevorstehenden Abreise sei es ihnen vielleicht lieb, denselben wieder in guten Händen zu wissen …

»Aber haben Sie denn gemeint, daß wir ihn hier lassen wollten?« fragte Friederike beinahe bestürzt, und überrascht sah sie den Priester an.

»Ja, mein Fritzel hat sich eingebildet, der Himmel hätte ihr den Bengel extra zur Belohnung ihrer guten Sitten und ihres braven Herzens beschert, und ich fürchte sehr, daß wir dem Prälaten den Besitz Sistos streitig machen. Aber es handelt sich in erster Reihe um diesen selber, und wenn er auch nicht mündig ist, so hat er doch das Recht der freien Entschließung.«

Quandt stand auf, und rief in dem Atelier nach dem Knaben, und in wenigen Augenblicken erschien er.

»Er hat Herrn Stahl Gesellschaft geleistet, der an seinem Gesichte seinen ersten Porträtversuch macht … komm her, Sisto!«