Und mit seinen Worten fanden auch die anderen sich wieder in eine ruhige Stimmung, aber Quandt sagte:

»Hans, Sie sind ein prächtiges Individuum, und verdienten gleich als Zwilling mitadoptiert zu werden. Hei, da kommt mir ein prächtiger Gedanke! Lieber Doktor Frohwalt, wie wär's, wenn wir hier den Prälaten als Adoptivvater gewinnen könnten! Das wäre ja gleich ein Ersatz für Sisto. Ich habe zwar unsern Hans meinem Freunde und Berufsgenossen Paolo Grotti hier auf die Seele gebunden, und bei ihm kann er etwas lernen in Colorit und Pinselführung – 's ist auch ein prächtiger Mensch im übrigen – aber wenn Monsignore Parelli noch seine Huld unserm Landsmanne zuwendete … hören Sie, Frohwalt, ich glaube, Sie finden ihn in der Laune, reden Sie mal ein Wort mit ihm! Er soll sich ansehen, was Hans Stahl leistet, und wenn ihn nicht schon Sistos Kopf, der jetzt von der Leinwand heruntersieht, besticht, so könnt Ihr mich einen Sudler nennen!«

Frohwalt versprach, in diesem Sinne zu handeln, und Hans Stahl fühlte sich angesichts einer sorglosen Zukunft in heiterster Stimmung.

Als der junge Priester fortging – Sisto hatte ihm die Hand geküßt und den Prälaten um Verzeihung bitten lassen, daß er nicht zu ihm komme – war es draußen wieder Sonnenschein geworden, und Sonnenschein lag auch in seiner Seele. Vor ihm wurde angesichts der in dem kleinen Hause waltenden Liebe ein Wort lebendig aus dem »Laienbrevier«, das ihn zwar nicht nach Rom begleitet hatte, mit dem er aber – oft gegen seine Absicht – immer vertrauter geworden war wie mit einem lieben Freunde.

»Was Du dem andern thust, das thust Du Dir.
Denn er ist – Du! Wir sind von einem Geiste,
Wie überall das Licht vom Licht. Wir sind
Von einem Leib, von einem Teig wie Brote.
Du thust das Gute Dir zu gut …«

So war es und so muß es sein! Alles Gute, das wir thun, kommt uns zu gut, und erfüllt unser Herz mit Freudigkeit. Und diese Freudigkeit empfand Frohwalt noch, als er am Nachmittage nach dem Hause des Prälaten ging. Erst als er die breiten Treppen hinanstieg, überkam ihn ein leises Schmerzgefühl bei dem Gedanken, daß er dem einsamen Manne in seinem großen, prächtigen Hause den Knaben, an dem seine Seele hing, nicht mitbringe.

Als er Parelli von der Szene im Hause Quandts erzählte, senkte dieser die Stirn und sagte leise:

»Ich hab's gewußt! – Auch das ist eine Sühne.«

Nun berichtete der junge Priester aber von dem andern Schützling des deutschen Malers, und das Auge des Prälaten begann freundlich zu leuchten.

»Ich danke Ihnen für diese Mitteilung, und seien Sie überzeugt, daß ich auch darin einen Fingerzeig des Himmels sehe. Ich komme morgen zu Herrn Quandt!«