Das raunte und rief durcheinander wie der Widerhall aus der Konzilshalle, und die Schweizer vor derselben kreuzten die Hellebarden und stemmten sich dem Andrang entgegen. Da verklang der Lärm hinter der Pforte, und auch vor derselben begannen die Gemüter sich zu beruhigen.
Früher als sonst aber schloß diesmal die Sitzung. Mit roten Gesichtern, vielfach mit vor Erregung leuchtenden Blicken kamen die Väter aus dem Dome des heiligen Petrus. Von der Anwesenheit des heiligen Geistes in der eben abgehaltenen Sitzung war auch jetzt nicht viel zu bemerken. Gruppenweise, mitunter dicht geschart, schritten sie über den Petersplatz hin in eifrigen, erregten Gesprächen. Um Stroßmayr, den Helden des Tages, drängten sich die andern hervorragenden Persönlichkeiten, der französische Bischof Mathieu, der Erzbischof Moreno von Valladolid und andere spanische Bischöfe, sowie eine größere Zahl deutscher Kirchenfürsten. Finstern Blickes schritt der Erzbischof Manning von Westminster neben dem Erzbischof Deschamps von Mecheln daher, umgeben von den eifrigsten Vertretern der Unfehlbarkeit, in Gruppen haben sich die Orientalen zusammengefunden, die fast alle auf Seite der römischen Kurie stehen, und die Vorgänge der vergangenen Stunde bilden überall den Gesprächsstoff.
»Man wird nicht wagen, diese Einleitung zu den päpstlichen Dekreten ein zweites Mal vor das Konzil zu bringen,« äußerte ein deutscher Bischof.
»Wenigstens nicht mehr in dieser Form, und wenn sie gereinigt und verbessert zur Abstimmung gebracht werden sollte, liegt wohl kein Grund vor, sie zu verwerfen, und wir werden der Welt doch den Beweis der moralischen Einstimmigkeit einer Kirchenversammlung geben,« fügte ein anderer in der Begleitschaft Stroßmayrs hinzu, dieser aber wandte sich nach dem Sprecher und sagte:
»Seien wir nicht vertrauensselig, lieber Amtsbruder, ich habe, um mich kriegerisch auszudrücken, mich daran gewöhnt, in Rom im Harnisch zu schlafen, und es wäre gut, wenn das andere auch thäten.«
Der kroatische Bischof schritt auf seinen Wagen zu, aber ehe er ihn erreichte, trat ihm Parelli in den Weg. Mit der ganzen Liebenswürdigkeit, die ihm zu Gebote stand, reichte er ihm die Hand:
»Ich freue mich der Ehrlichkeit und des Mutes, die Sie zeigen, hochwürdigster Bruder, und es drängt mich, Sie zu versichern, daß ich aus voller Seele Ihre Ueberzeugung teile und bereit bin, für dieselbe einzustehen.«
Verwundert sah ihn der andere an.
»Sie? Ein italienischer Prälat! Sie wagen, mir angesichts der Kurie Ihre Zustimmung auszusprechen? Wissen Sie, was Sie heraufbeschwören?«
Parelli lächelte: