Das glatte, freundliche Gesicht senkte sich tiefer auf die Brust, und die Finger griffen nervös herum an der schwarzen Binde, welche Tunika und Skapulier gürtete. So erregt hatte Frohwalt niemals den trefflichen Mann gesehen, aber auch durch seine Seele zog das Gefühl maßloser Bitterkeit. Er sprach halblaut:

»O, ich wollte auch, ich wäre nie nach Rom gekommen.«

»Dann kommt Rom zu uns – das ist ein und dasselbe.«

»Und werden sich die widerstrebenden Kirchenfürsten bei diesem Gewaltakte beruhigen?«

»Sie haben sich bisher noch bei jedem beruhigen lassen. Man wird zweifellos beraten, was nun geschehen soll und einen halben Beschluß fassen, der einfach unbeachtet bleibt, wie jede Aeußerung der Entrüstung, die bisher zu Tage getreten ist. Ich glaube, daß sich noch heute eine Anzahl der Prälaten hier einfinden.«

Das war auch wirklich der Fall. Im Laufe des Nachmittags fuhr Dupanloup vor, dann der Münchener Erzbischof, zahlreiche deutsche Bischöfe, und bei sengender Sonnenglut saßen sie beisammen in eifriger Beratung.

Der Unmut fand hier manches scharfe Wort. Allen war es klar, daß hier überhaupt von einem rechtmäßigen und allgemeinen Konzil nicht mehr die Rede sei, und einzelne Kühnere machten den Vorschlag, Rom ohne weiteres zu verlassen, und so die eigene Ehre und die Ehre der einzelnen Diözesen zu retten. Dann müsse man aber Urlaub vom heiligen Vater erbitten, gaben andere zu bedenken, und daß ein solcher jetzt bewilligt werden sollte, das war nicht anzunehmen. Man wollte wohl gerade durch die täglich anwachsende Sonnenglut, die den Aufenthalt in Rom beinahe unerträglich machte, die Väter müde und nachgiebig werden lassen. Auch die Bedenklichkeit und Zaghaftigkeit fehlte nicht in diesem Kreise, welche immer wieder zu Vorsicht und Leisetreterei mahnte.

Unmutig hatte Cardinal Schwarzenberg die verschiedenen Meinungen angehört:

»Geschehen muß etwas, meine hochwürdigsten Amtsbrüder, wenn wir uns nicht vor unsern Diözesanen schämen sollen. Eines ist unzweifelhaft: Wir stehen unmittelbar vor der Abstimmung, und wie sie fallen wird, ist nicht zweifelhaft. Sollen wir aber einen Glaubenssatz annehmen, der nur von einer zweifelhaften Mehrheit als solcher anerkannt wird?«