Er bemerkte Frohwalt, und mit einem seltsamen, beinahe schadenfrohen Aufleuchten der sonst so kühlen Augen trat er an ihn heran:
»Wissen Sie schien das Ergebnis der Abstimmung, Hochwürden? – Nein? – Nun, von etwa 600 Vätern haben 70 gefehlt, 88 haben mit non placet (Nein) gestimmt, 62 mit placet juxta modum (Ja, unter Vorbehalt), die andern 380 haben den Glaubenssatz angenommen. Ein schönes Ergebnis … Dank dem heiligen Geiste!«
Der Jesuitenpater trat an Dr. Frohwalt heran und sagte: »Wissen Sie schon die Abstimmung?« … (S. 358.)
Er stieß die Worte beinahe triumphierend hervor, dann eilte er weiter. Frohwalt wollte sprechen und sich gegen Martin äußern, da sah er ganz nahe Parelli vorübergehen – richtiger vorüberschwanken, gestützt auf den Arm eines jüngeren Geistlichen. Von einer raschen Erregung erfaßt, trat Frohwalt auf ihn zu und fragte teilnehmend:
»Bischöfliche Gnaden sind unwohl?«
Der Prälat sah auf; über sein Gesicht huschte ein müdes Lächeln, und er reichte dem jungen Deutschen die Hand:
»Es hat mich zu sehr angegriffen, Herr Doktor – aber ich habe meine Pflicht gethan und mit Nein gestimmt. Beten Sie für mich!«
Er schwankte, bleich und müde, weiter und Frohwalt sah ihm tief ergriffen nach, bis er ihm aus dem Gesichte entschwand. Martin war ihm nachgekommen und stand nun neben ihm.
»Ein Trauerspiel für uns, wie ich Dir gesagt habe, Peter: Siebzig Feige, die sich überhaupt nicht mehr getrauen, eine Meinung zu haben, zweiundsechzig Unentschiedene, die so gut wie gar nicht zählen, und achtundachtzig, die ehrlich genug sind, sich bis heute noch zu wehren. Dort neben mir hat eben einer mitgeteilt, daß am 18. Juli die feierliche Schlußabstimmung erfolgt … wieviele meinst Du werden von den achtundachtzig noch fest bleiben?«