»Aber es ist in der Generalkongregation vom 18. Juli einstimmig angenommen worden, und ich halte es für einen Segen, daß der Statthalter Christi auf Erden mit einer Gewalt ausgerüstet worden ist, die mit seiner Würde notwendig verbunden sein muß.«
»Darüber könnte man eben verschiedener Meinung sein, aber es wäre mir lieb, mich nicht darüber äußern zu müssen, nachdem ich in Rom nur zuviel solcher Verhandlungen habe anhören und mitmachen müssen. – Lassen Sie mich lieber fragen, wie es Ihnen geht, und wie die kirchlichen Verhältnisse hier im Orte sind.«
Der Pfarrer machte ein beinahe finsteres Gesicht.
»Mir persönlich geht es körperlich gut – als Seelsorger aber habe ich manchen Aerger, besonders durch das Ueberhandnehmen dieses ketzerischen Protestantismus. Ich beklage noch immer tief, daß Ihre Schwester so böses Beispiel gegeben hat. Seit ich hier als Pfarrer amtiere, sind ein Dutzend Familien vom Glauben abgefallen.«
»Und haben Sie niemals über die eigentliche Veranlassung dieser Erscheinung sich klar zu werden versucht?«
»Der Zug der Zeit! Aufklärung und Gottlosigkeit an allen Enden, Mangel an Sittlichkeit und wahrer Frömmigkeit …«
»Und Unduldsamkeit!« fiel Frohwalt ernst ein. »Ist Ihnen nicht klar geworden – verzeihen Sie mir meine Offenheit – daß Sie selbst in dieser Hinsicht zu weit gehen?«
»Wieso?«
»Nun, ich habe heute erst erfahren, daß Sie Frau Franke die Sündenvergebung verweigerten, weil sie der Trauung ihres Sohnes in der evangelischen Kirche beiwohnen will.«