»Ich habe gethan, was meine priesterliche Pflicht ist!«

»Und wissen Sie, was Sie damit erzielen? – Daß die Frau, welche, wie ich weiß, sehr fromm und religiös ist, sich dem evangelischen Bekenntnis zuwenden wird, dem ihr Mann und ihr Sohn angehören. Und das konnte in diesem Falle vermieden werden!«

»Das muß ich bestreiten!« sagte der Pfarrer heftig.

»Nun, was meinen Sie wohl? – Sollten Sie nicht wissen, daß auch unser Kaiser, daß andere katholische regierende Fürsten ähnlichen evangelischen Gottesdiensten beiwohnten, und daß es wohl noch keinem ihrer Beichtiger eingefallen sein dürfte, ihnen darum die Sündenvergebung zu verweigern?«

»Das sind andere Verhältnisse – staatliche Gründe – politische Beziehungen – –«

»Nach welchem Grundsatze machen Sie denn einen Unterschied? Wir haben nicht Katholiken erster und zweiter Klasse; vor Gott und in der Kirche sind alle gleich, und wenn man erst anfängt, solche Unterschiede aufzustellen, ist es um die Würde der Kirche, um die innere Wahrheit ihrer Einrichtungen geschehen. Außerdem glaube ich etwas von Kirchenrecht zu verstehen und weiß, daß besonders in Gegenden mit konfessionell gemischter Bevölkerung eine duldsamere Behandlung geradezu empfohlen wird. Was an den Protestantismus hier verloren gegangen ist, haben die Vertreter der katholischen Kirche auf dem Gewissen.«

»Sie haben vordem, glaube ich, andere Anschauungen gehabt.«

»Das spricht nicht für deren Richtigkeit; ich habe in Rom gar wunderliche Erfahrungen gemacht – –«

»Das scheint mir auch,« sagte der Pfarrer mit leisem Hohn, »und es soll mich nicht wundern, Sie demnächst mit Ihren vom Glauben abgefallenen Verwandten Arm in Arm zu sehen.«

»Wenigstens hätten Sie mich heute im Hause meines Schwagers finden können,« erwiderte Frohwalt ruhig; »seit ich Protestanten kennen gelernt habe, in denen das wahre Christentum sich abspiegelt, scheue ich mich auch nicht, zu glauben, daß auch ihnen der Himmel offen ist, und mit ihnen umzugehen.«