»Ah – eine Gardinenpredigt – –«
»Spotte nicht, Paul! Mir blutet das Herz!«
Er begann unruhig und ärgerlich zu werden.
»Ich weiß Alles, was Du sagen willst – –«
»Vielleicht doch nicht!« entgegnete sie sanft. »Du weißt, wie ich Dich lieb gehabt – –«
»Gehabt!« unterbrach er sie beinahe höhnisch.
»Und wie ich noch immer an Dir hänge, trotzdem Du mir so oft bitter weh thust. Aber keinen Vorwurf will ich Dir machen, nur eine Bitte laß mich an Dich richten! Sieh, hier gehen wir zu Grunde, Du und ich, Du an der Berufslosigkeit und ich an dem Jammer, den ich um Dich empfinde. Was nützt Beschönigen und Versteckenspielen? Wir haben hier durch einen unglücklichen Anfang den Boden unter den Füßen verloren, und der ist nicht wieder zu gewinnen. Aber wir müssen doch nicht hier leben. Was bindet uns denn an diese Scholle? Laß uns fortziehen nach einem Orte, wo uns niemand kennt – ich gehe mit Dir und wenn es nach dem ärmsten, ödesten Erdenfleckchen wäre, nur raffe Dich auf, beginne ein thätiges Leben und werde wieder so, daß Du selbst und andere Dich achten können! Es ist ja wie ein Hohn, das leere Wartezimmer, und wie ein bitterer Spott klingt es, wenn Du von Deiner Landpraxis sprichst, und dabei verlieren wir neben der Freude am Dasein, neben dem Frieden des Hauses, neben dem Glück unserer Liebe auch allgemach die Mittel zu unserem Leben. Ermanne Dich, Paul! Lieber Paul, ich bitte Dich!«
Das junge Weib stand mit erglühenden Wangen, mit gefalteten Händen vor ihm voll rührender Schönheit, aber sie rührte nur seine Sinne. In seinen Augen leuchtete es begehrlich und er streckte wieder die Hände nach ihr:
»Ach laß jetzt die Dummheiten, und komm und küsse mich!«