Therese aber wich einige Schritte zurück und flehte mit innigem, angstvollem Tone:
»Paul – gieb mir Antwort! Höre mich, Paul – – es muß ein Ende nehmen – – o Gott!«
Und nun brachen ihr die Thränen aus den Augen, und aufschluchzend schlug sie die Hände vor das Gesicht. Da erfaßte ihn der Unmut:
»Was soll mir denn das Geschwätz? – Bin ich etwa ein Lump, der sich verstecken muß? – Brauche ich denn für diese Kleinstädter überhaupt Tränkchen und Salben zu verschreiben? – Warum soll ich denn nicht meinen Neigungen leben und dem Vergnügen? – Und denkst Du denn, wenn ich irgendwo anders mich niederlasse, daß mir die Philister von hier aus nicht nachschreien werden, ich sei ein Kurpfuscher und dergleichen Dummheiten mehr? – Ich habe die Lust verloren an dieser ganzen traurigen Wissenschaft, die auch nicht eine einzige wirkliche Krankheit des inneren Menschen heilen kann. Wer das Glück hat, bei seinen Versuchen von der Natur unterstützt zu werden, dem läuft die Menge zu, und wem das Glück fehlt, der verliert seine Patienten. Hol der Teufel dies ganze Glücksspiel – da ist mir das andere mit den zweiunddreißig Blättern noch lieber … und kurz und gut, mir gefällt es hier und ich bleibe hier, und Du sei nicht dumm und weine Dir Deine hübschen Augen nicht häßlich – Du bist hier die schönste Frau im Städtchen, wer weiß, ob das anderwärts wieder der Fall wäre.«
Die Worte klangen sinnlos, frivol, und dem jungen Weibe zog sich schmerzhaft die Brust zusammen. Sie sah den Gatten mit einem unendlich traurigen Blicke an und sprach:
»Paul, Du weißt ja nicht, was Du redest. Wie magst Du Deinen Beruf, einen der segensvollsten, wenn er mit Lust und Liebe geübt wird, so mit Füßen treten? Fühlest Du denn nicht, wie solche Worte Dich und mich entwürdigen? Es kann ja Dein Ernst nicht sein, was Dir aus dem Munde geht! Du kannst doch nicht daran denken, in Deinen Jahren bloß dem Müßiggang zu leben? Du willst doch nicht die Verachtung aller Guten auf Dich lenken? – Paul, ich beschwöre Dich … laß uns fortziehen von hier, wo wir den rechten Boden unter den Füßen verloren haben …«
Jetzt brauste er auf:
»Was gehen mich denn Deine Stockphilister an, die ihre Schnäbel an jedem wetzen, der nicht so lebt, wie sie selber? – Gerade ihnen zum Trotze bleibe ich und lebe ich, wie ich will, denn was aus Dir redet, das ist der dumme Klatsch, den Du hörst bei Deinen Frohwalts und Freidanks … warum gehst Du auch nicht mit Besseren um?«
»Niemand hat mir ein Wort darüber gesagt, nur mein eigenes Herz drängt mich – –«
»Ach Herz! – Herz ist das Pumpwerk im tierischen Körper – was Ihr Weiber Herz nennt!«