Sie hatte ihren Gatten nicht angesehen und war zurückgetreten, ohne seine Erwiderung abzuwarten, aber es war ihr doch, als höre sie ein Fluchwort und zugleich ein Geräusch, als ob er sich rasch erhebe. In der That war Haller bei dem Namen erschrocken und erbleicht. Er fuhr von seinem Lager, kleidete sich rasch und oberflächlich an, fuhr in seinen Schlafrock und begab sich nach dem Salon.

Der Wartende stand bei seinem Kommen auf und sah ihn mit einem seltsamen Lächeln an; sie reichten sich nicht die Hände, obwohl sie im übrigen bekannt genug schienen.

»Da Sie nicht zu mir kommen, muß ich mich bei Ihnen einfinden,« sagte Herr von Sorb; »ich darf Sie wohl daran erinnern, daß heute der 14. ist, und daß ich am 10. bereits eine Zahlung von Ihnen zu erwarten hatte. Ich würde Sie auch heute noch nicht wegen dieser Ehrenschuld belästigen, aber ich habe gleichfalls meine Verpflichtungen und bin als Edelmann gewohnt, denselben pünktlich nachzukommen.«

Es klang etwas Hochmütiges, Verletzendes aus den Worten, das Haller sehr wohl empfand, das ihn erbitterte und worauf er doch nicht so erwidern konnte, wie er es gern gethan hätte. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, wie um die wirren Haare hinauszustreichen, in Wirklichkeit aber um sich den kalten Schweiß abzuwischen welcher ihm ausbrach.

»Verzeihen Sie, Herr von Sorb, wenn ich den Termin versäumt habe, ohne mich auch nur zu entschuldigen; es war gewiß ein unabsichtliches Versehen, aber gerade weil ich nicht daran gedacht, habe ich auch vergessen, die kleine Summe flüssig zu machen. Geben Sie mir noch zwei Tage Frist, ich habe das Geld nicht augenblicklich zur Hand …«

»Das ist unangenehm, sehr unangenehm, denn ich muß morgen selbst eine Zahlung leisten, wobei ich zuversichtlich auf Ihre Pünktlichkeit gerechnet hatte. Sie können doch nicht wünschen, daß ich Ihretwillen mich bloßstelle … ich bin Edelmann …«

Gerade das wiederholte Betonen dieses Moments war so verletzend für Haller; als ob der Mann vor ihm mehr Ehre besessen hätte, als er selber. Er war nichts mehr als ein gewerbsmäßiger Spieler, dessen Adelsdiplom vielleicht noch dazu recht fadenscheinig war, aber es galt um jeden Preis, die Demütigung hinunterzuschlucken.

»Nun gut – Verehrtester – ich schaffe Ihnen bis morgen Mittag das Geld … solange müssen Sie durchaus noch Geduld haben – ich kann's doch nicht im Augenblick aus den Fingern saugen, und seiner Frau erzählt man auch nicht gern derartige Verlegenheiten.«

»Sei's denn … aber dann rechne ich auch bestimmt auf Zahlung, Herr Doktor. Also morgen auf Wiedersehen!«