»Wer kauft mein Pferd?« fragte er mit heiserer Stimme, und einige der Umstehenden lachten, weil sie meinten, er rede im Scherz, einer aber rief:
»Was soll die Mähre kosten?«
»Sechshundert Gulden!« stieß Haller hervor.
»Ach, Thorheit, um vierhundert nehme ich sie.«
»Gegen sofortige Zahlung.«
»Topp! – Hier ist das Geld.«
Der Handel war flott gemacht worden, ohne daß die andern sich viel darum kümmerten, und gleich darauf warf Haller wieder einen Hundertguldensschein hin. Aber das Glück wollte sich nicht zwingen lassen, auch nicht um den Preis des treuen Tieres. Kalter Schweiß trat auf die Stirn des Mannes, zumal er den forschenden Blick Ferdinands von Sorb fühlte. Er vermochte den Bann dieser Augen nicht zu ertragen und rief ihm zu:
»Sehen Sie mich nicht immerfort an, Sie bringen mir Unglück!«
Der so rauh Angesprochene lächelte kühl und spöttisch und wandte Haller schweigend und wie verächtlich den Rücken. Dieser fühlte sich dadurch noch mehr verletzt und gedemütigt, aber er zwang sich zur Selbstbeherrschung, und spielte weiter. Nach einer halben Stunde war das Geld, das er für sein Pferd erhalten hatte, verschwunden.
Mit stieren Blicken starrte er um sich, trank dann mit wilder Hast sein Glas leer, und griff plötzlich nach seiner Uhr, die er samt der Kette aus der Tasche riß und auf den Tisch schleuderte. Es war eine schöne und wertvolle Ankeruhr mit doppeltem goldenen Deckel. »Wer kauft sie oder leiht mir darauf zweihundert Gulden?«