Holberts Wimper zuckte nicht, als er dem Kirchenfürsten ruhig entgegnete:
»Ich möchte mit dem Marquis Posa, dem Philipp II. mit seinem Ketzergericht drohte, fragen: ›Wirklich? Sollt' es das?‹ – Ich muß es Eurer Eminenz überlassen, zu thun, was Sie für Ihre Pflicht ansehen, ich aber werde unter allen Umständen den Weg meiner Ueberzeugung gehen. Was mich einzig leitet, ist die Wahrheit und das Recht, sowie das Bewußtsein, daß nicht ich es bin, der seinen Glauben gewechselt hat.«
Den Kirchenfürsten schien eine Rührung zu übermannen:
»Wenn Sie wenigstens diese Anschauungen verschließen wollten in Ihrer Seele … ich könnte …«
»Eminenz, das ist Ihr Ernst nicht, daß Sie meinen, ich könnte ein Heuchler sein! Ich werde mein Amt niederlegen an dieser Hochschule, aber ich werde mich nicht mundtot machen lassen, wo es die beste, heiligste Sache gilt. Ich bitte, mich zu entlassen, Eminenz … ich vermöchte sonst vielleicht nicht mehr meine Ruhe zu bewahren …«
Der Cardinal winkte schweigend mit der Hand, und hochaufgerichtet verließ der Professor nach ehrerbietigem Gruße das Gemach.
Als er nach seiner Wohnung zurückkehrte – er hatte sich vom Hradschin herab eines Wagens bedient – leuchtete sein Gesicht wie von innerer Freudigkeit, und so trat er Frohwalt entgegen.
»Wollen Sie mir noch Ihre Hand geben? Ich bin so gut wie aus der Kirche ausgeschlossen,« sagte er ruhig.
Der junge Priester lächelte schmerzlich, aber er streckte seine Rechte aus und drückte jene des anderen fest und herzlich.