»Das wird es, und die Spaltung ist bereits da, aber die Altkatholiken haben sich dabei keine Schuld zuzumessen.«
Frohwalt erhob sich, ihn erfaßte mit einmal eine ganz besondere Erregung.
»Wie es sich auch gestalte, ich bleibe bei der erkannten Wahrheit, und werde nicht länger auch nur den Schein fortleben lassen, als beugte ich mich, oder als fehlte mir der Mut des wahren Bekenntnisses. Ihrer Freundschaft halte ich mich versichert.«
»Für alle Zeit!« entgegnete Holbert warm, und mit einem innigen Händedrucke schieden die beiden Männer.
Raschen Schrittes ging Frohwalt durch die Straßen nach dem Seminar; er wollte auch keine Stunde länger zögern und unmittelbar zu seinem Vorgesetzten, dem Direktor, sich begeben, um ihm mitzuteilen, daß es gegen sein Gewissen sei, die neue Lehre anzuerkennen und daß er bereit sei, alle Folgen dafür zu tragen.
Der Himmel aber schien ihm seinen Schritt noch erleichtern zu wollen. Um seine Mutter war ihm dabei besonders leid gewesen, die für das, was in ihm vorging, kein volles Verständnis würde gewinnen können, und die, nur nach dem Aeußern urteilend, entsetzt sein würde über eine Ausschließung des Sohnes aus der nach ihrer schlichten Meinung alleinseligmachenden römischen Kirchengemeinschaft. Das sollte der alten Frau erspart bleiben.
Unter dem Thore des Klementinums traf Frohwalt den Telegraphenboten, der ihm eine Depesche überreichte. Er erbrach sie hastig und las:
»Mutter sehr schwach. Komme so bald als möglich.
Marie.«