»Oho,« – rief Martin – »so weit ist's doch noch nicht?«
»Doch,« entgegnete Frohwalt mit ruhigem Lächeln; »die Bedenkzeit, die man mir für meine mögliche Unterwerfung gelassen hat, ist vorüber, und ich habe eben jetzt meine bündige Erklärung nach Prag abgehen lassen, daß ich meine ehrliche Ueberzeugung unter keinen Umständen opfern werde, folge daraus was immer!«
»Das ist brav, und darauf darfst Du stolz sein, Peter!« sagte der Alte, indem er kraftvoll dem jungen Manne die Hand drückte, zur selben Zeit aber hatte auch Severin diesem seine Rechte schweigend entgegengestreckt, und verwundert sah ihn Frohwalt an.
»Ja, ja, Herr Doktor, 's ist mir voller Ernst,« sagte der Kapuziner wehmütig – »ich verstehe Sie völlig, aber verachten Sie mich nicht, wenn ich Ihrem Wege nicht folgen kann. Sie sind ein Adler, ich bin ein Sperling. Für Ihren reichen Geist steht die ganze Welt offen, ich würde zu Grunde gehen, wenn ich nicht den schützenden Hafen meines Klösterchens hätte. Was sollte ich anfangen, wenn ich heute die braune Kutte auszöge … und meine Eltern würden verzweifeln. Darum schweige ich und bücke mich, und überlasse es denen, die mein Gewissen belasten, auch einen Teil der Verantwortung dafür vor Gott zu tragen. Mein Gelübde heischt Gehorsam. Mir geht es wie Tausenden, denen der Mut fehlt, weil sie weder das Vermögen, noch die geistigen Mittel haben, sich gegen die Gewalt auflehnen zu können. Seien Sie mir darum nicht böse. Und grüßen Sie Hans Stahl, Herr Martin … er soll recht glücklich werden.«
Zusammengebeugt, wie ein gebrochener, müder Mensch, wankte Severin fort, und die beiden anderen sahen ihm bewegt nach.
»Wie sagt der Bruder Martin im »Götz«?« sprach endlich der Alte; – »das Gefühl seines Standes frißt ihm das Herz.«
»Schade um ihn!« fügte Frohwalt mit aufrichtigem Bedauern bei.
Jetzt kam Martin auf seinen Brief zu sprechen; er ließ seinen Besuch ihn lesen und dann bemerkte er:
»Und weißt Du was, Peter? – Wir schnüren unsere Ränzchen und marschieren morgen ab, geradewegs nach dem Erzgebirge und nach dem kleinen Neste, wo unsere römischen Freunde hausen. Hier wird der Boden ohnedies etwas zu warm für Dich werden, denn daß Dein Freund, der Pfarrer, kräftig einheizt, darauf kannst Du Dich verlassen. Und mir juckt's schon den ganzen Morgen so wunderlich in den Beinen, daß ich zum Städtele hinaus muß. Also, wie steht's?«
»Ja, lieber Vetter Martin – zum Reisen gehört Geld!«