»Das haben wir, Peter! Wie Fürsten reisen wir freilich nicht, eher wie fahrende Schüler, aber das ist bei weitem vergnüglicher, und dafür reichen meine Mittel für uns zwei sehr anständig aus. Was mein ist, ist Dein – das ist doch selbstverständlich, und wenn Du etwa eine andere Meinung haben solltest, so sprich sie aus, aber sei gewärtig, daß ich Dich aus meinem Besitztum hinauswerfe und jede diplomatische Beziehung zu Dir abbreche.«

»Na gut denn, Du lieber, närrischer Vetter, – und wenn Du mit einem aus der Kirche Ausgeschlossenen Dich zu wandern getraust ohne Schaden für Dein leibliches und seelisches Heil – –«

»Sei ganz ruhig, Peter! Wenn sie erst Dich herausthun aus der Kirche, dann können sie's bei mir gleich mit besorgen, das will ich dem Pfarrer schriftlich geben!«

»Dann ist's recht – und morgen wandern wir!«

»Topp!« sagte Martin, und unbekümmert um die Nähe der Gasse schleuderte er seine Mütze hoch in die Luft und fing sie wieder auf, wie ein lustiger Knabe, für den die Ferien gekommen sind, und dem eine goldene Zeit der Freiheit winkt.

Am andern Morgen, als es noch recht ruhig war im Städtchen, aber der Sonnenschein schon über den Dächern lachte, zogen zwei Wanderer zum Thore hinaus. Ueber ihnen blauer, weitgespannter Himmel, unter ihnen noch leicht wogender Nebel, und wo sie gingen zur Rechten und zur Linken ein Glänzen und Blühen. Die ersten Lerchen stiegen empor in die klare Luft, aufjauchzend aus den kleinen Kehlen, und die Brust wurde den Beiden weit und froh, so daß sie erst eine gute Weile schweigend ausschritten, bis der Vetter Martin endlich sein Morgenpfeifchen anzündete, und nun begann er redselig zu werden.

So kamen sie nach Burgdorf, der kleinen evangelischen Gemeinde, und das Dorf machte im Morgensonnenschein einen besonders freundlichen und sauberen Eindruck.

Als sie an dem schlichten Pfarrhause vorüberkamen, in dessen Gärtchen alles in frischer Blüte stand, sahen sie den jungen Pfarrer mit seiner Frau unter den Bäumen auf- und abschreiten, und Frohwalt erinnerte sich, dies Bild beinahe ebenso schon früher einmal gesehen zu haben. Heute sah er es mit ganz anderen Augen an: Jeder Hauch von Feindseligkeit war aus seinem Herzen geschwunden, und er empfand eine Art reiner Freude über diese trauliche Häuslichkeit und das freundliche Familienleben in diesem Pfarrhause, das einen bedeutsamen Gegensatz bildete zu dem, was er in Nedamitz und im Hause Parellis in Rom geschaut und erlebt hatte.

Die beiden Wanderer ließen sich Zeit und genossen die Schönheit der Gotteswelt in vollen Zügen; Frohwalt aber schien es, als ob er nie so sonnige, herrliche Tage durchlebt hätte, und wenn er gemeint hatte, Vetter Martin völlig zu kennen, so wurde er jetzt eines Besseren belehrt, denn auf der Wanderung gab sich der Alte erst ganz, wie er war, mit seinem reichsten Humor, mit seinen wärmsten Empfindungen, mit seinem für alles Schöne und Gute empfänglichen Herzen.

An einem Nachmittage trafen sie in Ehrenberg ein. Es war ein ziemlich großes, freundliches Dorf, das im Grün der Gärten in einer Thalsenkung des Erzgebirges lag. Die Gegend schien fruchtbar und wohlhabend, und war von landschaftlicher Anmut, wie der Gegensatz von grünem, flußdurchzogenem Thal und in der Ferne blauenden Bergen sie bot. Der Kirchturm war für unsere Freunde der Wegweiser; in der Nähe des Gotteshauses mußte sich die Pfarrei befinden.