Und sie täuschten sich nicht. Ein Knabe hatte sie zurecht gewiesen, und so traten sie in den Pfarrhof ein. Hier aber war es Frohwalt, als sehe er jenes freundliche Bild in Wirklichkeit vor sich, das er in Quandts Skizzenmappe in Rom erblickt hatte. Da war das alte, breitbehäbige Haus von Holzfachwerk mit dem der Straße zugewendeten stattlichen Giebel und davor die prächtige Linde mit ihrem jungen, noch nicht voll entfalteten Grün. Auf der Holzbank darunter aber saßen der Maler mit seiner Frau und mit Hans Stahl, und sahen zu, wie ein prächtiges, blühendes Mädchen die lustig um sie flatternden Tauben fütterte.

Aber die Ankömmlinge hatten nicht Zeit, das Bild zu genießen mit seiner traulichen Anmut, denn Heinrich Quandt hatte sie schon gesehen.

»Der Vetter Martin! Doktor Frohwalt!« klang es, dann eilten die drei von der Linde her … (S. 433.)

»Der Vetter Martin! Doktor Frohwalt!« klang es, dann eilten die drei von der Linde her, und das junge Mädchen ließ die goldenen Weizenkörner achtlos aus der Schürze rollen unter das durch die Bewegung der Menschen gleichfalls erregtere Taubenvolk. Dann fanden sich die Hände im warmen, herzlichen Drucke, und Begrüßungsworte gingen hin und her. Martin aber hielt seinen »Lausitzer Windhund« wie einen Sohn in den Armen, und sah ihm dann ins Gesicht:

»Potz Respekt, Herr Ritter des eisernen Kreuzes!« sagte er bewegt, und dann fuhr er liebkosend über den verwundeten Arm, der noch in der Binde lag.

Heinrich Quandt aber rief dem Mädchen zu: »Trudchen, komm her!« und zum Giebelfenster hinauf: »Papa, Mama, unsere römischen Freunde sind gekommen!«

Aus dem Fenster beugte sich einen Augenblick ein von weißschimmernden Haaren umwobenes freundliches Gesicht und eine sonore Stimme rief:

»Herzlich willkommen! Wir sind gleich bei Euch!«

Und eben als die andern in den breiten Flur des Hauses traten, kamen der Pfarrer und seine Frau die Treppe herab, ein hübsches, altes Paar, dem Herzlichkeit und Gutmütigkeit aus den Augen leuchtete. Sie begrüßten die beiden Ankömmlinge wie gute alte Bekannte, und schon nach kurzem saßen sie alle beisammen um den Tisch bei einem Imbiß, der von der geistlichen Hausfrau schnell bereitet worden war, und bei Gesprächen, die alte Erinnerungen rasch neu belebten, aber auch bekundeten, wie man im Pfarrhause zu Ehrenberg über alles, was mit Rom zusammenhing, auf das Beste unterrichtet war und für alles die herzlichste Teilnahme zeigte.