Als Martin und Frohwalt am Abend das Gasthaus aufsuchen wollten, geriet der Pfarrer geradezu in liebenswürdigen Zorn:

»Davon kann doch nicht die Rede sein! Wir haben übergenug Platz in unserem alten, gemütlichen Hause und Gott Lob auch genug zu essen und zu trinken, und wir denken doch nicht, daß Sie hierhergekommen sind, um uns zu kränken? Was müßten denn meine Kirchkinder sagen, wenn ihr Pfarrer seine Freunde im Gasthofe unterbringen ließe!«

Da fiel sein Blick auf Frohwalt, und er wurde ernster, als er beifügte:

»Herr Doktor, Ihnen darf ich keinen, auch keinen freundschaftlichen Zwang anthun …«

»Ich verstehe Sie, Herr Pfarrer,« sagte der Angeredete lächelnd, – »aber ich bin in der Lage, ganz meinem Herzen folgen zu dürfen, und wenn Sie mich hier behalten, bleibe ich!«

Herzlich drückte der alte evangelische Geistliche ihm die Hand, und die Sache war abgemacht.

Frohwalt war erstaunt über den feinen Takt, welcher in diesem Hause herrschte, und wie man alles vermied, was nach der Meinung der Pfarrerfamilie ihm peinlich oder unangenehm sein könnte. Auch von dem Konzil war nicht die Rede, ebensowenig wie von seiner Stellung zu der Unfehlbarkeit, bis er am zweitnächsten Tage selbst darauf, wie auch auf seine Ausschließung aus der römischen Kirche zu sprechen kam.

Der Pfarrer schien überrascht, aber, so nahe auch nun der Gedanke oder die Versuchung dazu gewesen wäre, er hielt sich völlig fern von einem Anpreisen seines eigenen Glaubens und sprach mit Frohwalt über die Sache in einer nicht bloß völlig objektiven, sondern auch sehr klaren und kenntnisvollen Weise, so daß dieser vor dem Wissen wie vor dem Charakter des alten Herrn immer neue Achtung bekam.

Es war Sonntag. Die Glocke rief zur Kirche, und Vetter Martin, der mit Stahl und Frohwalt im Garten hin- und widerging, sagte: