Am nächsten Morgen brach der Vetter Martin auf; bei solchem Frühlingswetter hatte er nirgends lange Ruhe, und es drängte ihn hinaus in die Welt. Er wollte diesmal Elsaß und Lothringen besuchen, die wiedergewonnenen Kinder der Mutter Germania. Quandt mit seiner Frau, Hans Stahl mit Trudchen und Frohwalt gaben ihm ein Stück weit das Geleite. Mit letzterem ging der Alte einige Schritte den anderen voraus, und als es beinahe ans Abschiednehmen kam, sagte er:
»Ich weiß Dich hier in guten Händen, Peter; drum kann ich ausmarschieren, und wenn ich wiederkomme, hat sich in Dir, wie ich bestimmt hoffe, manches völlig ausgeklärt, was jetzt noch schwankend ist. Ich meine aber, Du bist auf dem besten Wege, erst recht ein brauchbares Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden. Konfessionslos kannst Du nicht bleiben, der Altkatholizismus ist noch unfertig … werde evangelisch, wie Deine Schwester ist! Werde ein Priester wie unser alter Gastfreund, ein Leiter, Führer und Vorbild Deiner Gemeinde. Das ist mein ehrlicher Rat, und es soll mich freuen, Peter, Dich einmal auf Deiner evangelischen Pfarre und in Deinem Hausstande besuchen zu können. Und dann nimmst Du mich auch in Deine Kirchengemeinde auf. Punktum! Und jetzt gehen wir auseinander!«
Der Alte wandte sich nach den übrigen um und schwenkte lustig seinen Stock. Sie kamen rascher herbei, und es folgte der herzlichste, rasche Abschied. Viel dabei herumzureden, war nicht Martins Art. Nach kurzer Weile wanderte er weiter, mit großen Schritten, noch zweimal sich umblickend nach den wehenden Tüchern und winkenden Händen, dann gingen die Zurückbleibenden langsam wieder dem freundlichen Dorfe zu, dessen Kirchturm ihnen friedlich entgegenwinkte.
Quandt und Fritzel gingen mit Hans Stahl voran, Frohwalt folgte mit Trudchen nach. Unbefangen hatte er bisher mit dem heitern, schönen Mädchen verkehrt, in dieser Stunde aber überkam ihn zum ersten Male eine gewisse Befangenheit: Ein Wort des Alten klang ihm in der Seele nach, wenn er in die hellen, frischen, braunen Augen schaute, und auf den plaudernden roten Mund. Sie merkte seine schweigsame Art und sagte:
»Der Abschied vom Vetter Martin hat Sie ja ganz still gemacht!«
»Ja, er ist mir sehr lieb, der alte Mann, und ich sehe ihn immer mit heimlicher Wehmut scheiden.«
»Er erinnert mich in manchem an meinen Vater!«
»Sie haben recht. Beide haben dieselbe milde Art, die gleiche Duldsamkeit und die nie versiegende, von sonnigem Humor verklärte Herzenswärme.«
Das Mädchen sah ihn mit aufleuchtenden Augen an. »Es freut mich, daß Sie schon nach so kurzer Zeit meinen Vater so beurteilen –«