Sie konnte ihm nicht ausweichen, aber in ihrer Verlegenheit und Aengstlichkeit that sie scheu und fremd, so daß der Uhrmacher beinahe traurig sagte:
»Sie nehmen mir's wohl auch übel, daß ich evangelisch werden will?«
Da preßte sie das Wort heraus:
»Nein, Herr Freidank … im Gegenteil, ich fühl's, daß Sie nicht anders können, aber … dort kommt mein Bruder – Adieu!«
Sie huschte, hochrot vor Erregung, hastig fort; aber Peter Frohwalt hatte sie doch bereits bemerkt. Er kam von einem Spaziergang mit dem Kaplan zurück, und dieser sprach mit seiner trockenen, kalten Stimme:
»Ihre Schwester sollte doch kein Aergernis geben.«
»Es wird nicht wieder geschehen,« erwiderte der andere gepreßt und unmutig, und schweigend kamen sie näher zu der Stelle, wo das Weib mit dem Kinde stand, sowie der Uhrmacher, welcher dem davoneilenden Mädchen betrübt nachschaute. Jetzt grüßte er die beiden jungen Geistlichen, indem er seine Mütze abnahm, diese aber sahen zur Seite und beachteten seinen Gruß nicht.
Als Peter Frohwalt daheim ankam, sagte er zu seiner Mutter:
»Ich will meinem Freunde schreiben, ob ich von nächster Woche an einige Zeit bei ihm wohnen kann, bis ich vom Konsistorium meine Berufung an eine Stelle erhalte; ich kann nicht bei Euch bleiben, weil ich mich Mariens schämen muß.«
Das Mädchen war eben erst eingetreten und stand mit klopfendem Herzen beim Fenster. Das Wort war zu hart, und in ihr regte sich das verletzte weibliche Gefühl: