Auf das in der Ecke stehende Gerippe zeigend, sagte Vetter Martin humoristisch: »Na, was meinst Du wohl, ob der einmal katholisch oder evangelisch war?«
Dann schritt er weiter. Auf einem Tischchen lag ein kleines, abgegriffenes Buch. Das nahm er in die Hand, blätterte flüchtig drin und indem er es Peter Frohwalt reichte, sprach er:
»Das kleine Werkchen will ich Dir schenken, ich habe in mancher Stunde Trost und Erhebung drin gefunden, vielleicht kann's auch Dir von Nutzen sein! Der's geschrieben hat, war ein guter, edler Mensch, und das bleibt das Beste, was man von jemandem sagen kann.«
Der junge Geistliche nahm das Bändchen und schlug den Titel auf: Es war Schefer's »Laienbrevier«. Er dankte für die Gabe und ging mit dem Alten hinaus in den Garten. Hier sprachen sie noch ein Weilchen über dies und das, dann ging Peter, nachdem Vetter Martin ihm noch zugerufen hatte:
»Und Nedamitz hoffe ich auch kennen zu lernen, und es soll mich freuen, wenn ich Dich dort recht zufrieden wiedersehe.«
Am andern Morgen früh fuhr der junge Priester mit dem Postwagen hinaus durch das alte Thor, in dessen Nähe sein Vaterhaus stand. Vor demselben harrten Mutter und Schwester und winkten ihm zu; der Postillon blies in herkömmlicher Weise das Lied, das er seit fünfundzwanzig Jahren stets bei diesem Anlasse hören ließ: »Muß i' denn zum Städtele 'naus,« und dann rollte der schwarzgelbe Wagen auf der staubigen Straße hin, hinein in den sonnigen Tag.
Auf der Höhe beim Kapellchen, wo am Tage der Primiz der fahrende Handwerksbursche gesessen hatte, stand der Vetter Martin, auf seinen »Holländer« gestützt, die Mütze mit dem breiten Schirm weit in die Stirn hereingezogen, und rief ihm noch einmal ein »Glückauf!« nach, dann fuhr der Wagen bergab und hinter dem Reisenden versank die kleine Stadt.
Er war allein in dem Wagen, hatte die Fenster geöffnet und ließ die angenehme, kühle Morgenluft hereinstreichen. An seinem Auge gingen die freundlichen Landschaftsbilder mit all den fleißigen Menschen vorüber, Lerchen sangen aus der Höhe nieder, und ihm wurde die Seele weit. Er ging mit den besten Vorsätzen hinein ins Leben und in seinen Beruf.