Das Pfarrhaus war ein altes, einfaches, aber umfangreiches Gebäude mit vortretendem Obergeschoß und einer um dasselbe laufenden Holzgalerie; es machte im ganzen einen behaglichen Eindruck. Die Schwelle war schmutzig und Peter mußte darüber wegtreten. Da erinnerte er sich, was das Volk bei ihm zu Hause sagte bei solchen Anlässen: Man würde sich bald ärgern.
Kaum war er in den Flur gekommen, als ihm, wohl durch die Magd gerufen, ein Weib von etwa 50 Jahren entgegentrat, angethan wie eine Bäuerin, mit schwarzem Mieder, und nackten, drallen Armen; eine große blumige Schürze hatte sie umgebunden. Ihr Gesicht war einmal hübsch gewesen, jetzt sah es groß und gerötet aus. Sie wischte sich die Rechte an dem Schürzenzipfel ab und reichte sie dem jungen Priester, indem sie ihn in tschechischer Sprache begrüßte.
Peter Frohwalt hatte halb widerstrebend ihr seine Hand gegeben und sagte:
»Es thut mir leid, aber ich verstehe das Tschechische nicht!«
»Was?« rief das Weib nun deutsch – »Sie können nicht einmal Böhmisch? – Ja, wie wollen Sie denn hier durchkommen? Das begreife ich nicht, wie das Konsistorium einen Kaplan schicken kann, der kein Böhmisch versteht!«
Sie ließ den verblüfften jungen Mann einfach stehen oder vielmehr, sie überließ es ihm, ihr zu folgen, indem sie jetzt die Treppe emporstieg und ihm sehr ausdrucksvoll den breiten Rücken zuwendete. Und Peter ging hinter ihr drein. Auf dem oberen Flur riß sie nach raschem Anpochen eine Thür auf und rief hinein:
»Da schickt das Konsistorium uns einen, der nicht Böhmisch kann!«
Drinnen wurde ein Stuhl gerückt und gleich darauf erschien auf der Schwelle der Pfarrer. Er war in Hemdärmeln, mit einem kleinen Seidenkäppchen auf dem grauen Kopfe, eine hagere Gestalt, deren Gesicht im Halbdunkel nicht gut zu erkennen war.
»Seien Sie willkommen!« sagte er mit einem etwas heiser klingenden Organ und reichte dem neuen Hausgenossen die Hand. Er zog ihn nun in sein Zimmer, nachdem er noch in tschechischer Sprache das Weib gefragt, ob die Wohnung für den Herrn Kaplan in Ordnung gebracht sei und eine mürrisch-kurze Antwort erhalten hatte. Er fuhr eilig in einen alten, langen Hausrock, indem er sich entschuldigte, daß er bei der herrschenden Hitze es sich bequem gemacht habe. Nun konnte Peter Frohwalt den Mann, sowie den Raum einigermaßen mustern. Der erstere hatte trotz seiner Magerkeit ein rotes, einigermaßen gedunsenes Gesicht mit kräftig hervortretender Nase, ein paar seltsam feucht flimmernde Augen, und mochte ungefähr sechzig Jahre zählen.