Das Zimmer sah einfach genug aus. Zwei Tische, einer am Fenster, ein anderer vor einem verschossenen, ehemals wohl grünen Sopha, über dem ein großes Bild hing – der einzige Wandschmuck – ein braunes, wurmstichiges Büchergestell, das bedenkliche Lücken zeigte, vier oder fünf Holzstühle, eine Bank in der Nähe des Ofens, ein alter Kleiderschrank und eine Kommode, die mit ihrer hellen Farbe zu den übrigen Möbeln nicht paßte – das war die Ausstattung des Gemaches. Auf dem Tische bei dem Sopha aber stand ein großer Zinnkrug und daneben ein Glas mit einem Reste Bier.

»Ich denke, Sie werden sich hier schon einrichten,« – sagte nun der Pfarrer, – »es ist gerade nicht viel zu thun, wenn man es erst richtig anfaßt. Ihrem Vorgänger hat's gut gefallen, und wir hatten recht schön mit ihm zusammen gelebt – da bekam er die Schwindsucht, der arme Teufel, und ging in seine Heimat; wiederkommen wird er nicht mehr. Er hat's verstanden, sich mit der Barbara, der Köchin, gut zu stellen, die ihm manchen besondern Bissen zugesteckt hat – na, ich habe nichts dawider gehabt. Machen Sie nur auch, daß Sie gut Freund mit ihr werden! Sie ist nun schon fünfundzwanzig – – hm, hm … lange Zeit bei mir, und darum nimmt sie sich auch manchmal etwas mehr heraus. Das sag' ich Ihnen, damit Sie wissen, woran Sie bei der oder jener Gelegenheit sind.«

»Wie es scheint, nimmt sie mir's schon übel, daß ich des Tschechischen nicht mächtig bin,« bemerkte Frohwalt, und der andere sagte mit einem breiten Lächeln:

»Ja, eine gute Tschechin ist sie, und darum hat auch Ihr Vorgänger, der Pater Sloczek, einen Stein bei ihr im Brette gehabt. Aber gerade notwendig ist es nicht, daß Sie das Böhmische verstehen. Das Dorf ist eigentlich ganz deutsch und nur die Filiale Květau ist gemischtsprachig. Aber da genügt's, wenn ich des Böhmischen mächtig bin. Doch jetzt will ich Sie auf Ihr Zimmer bringen und Ihr Gepäck von der Station holen lassen, und zum Abendbrot sehen wir uns dann hier wieder.« –

Es waren zwei mäßig große Räume, welche dem jungen Kaplan zur Wohnung angewiesen waren, so einfach eingerichtet, wie das Zimmer des Pfarrers, und mit weiß getünchten Wänden. Die Fenster des einen, welches als Schlafgemach diente, gingen nach dem Hofe hinaus und über diesen hinweg nach der Dorfgasse, diejenigen des andern schauten ins freie Land, auf grüne Wiesen, wogende, goldschimmernde Felder, kleine Wälder, und im Hintergrunde fern verdämmernd blaute eine Bergkette. Hier hatte Peter Frohwalt hinausgeblickt und von seiner Zukunft geträumt. Der tiefe Gottesfrieden ringsum, der gleichsam durch das offene Fenster mit dem milden Abendhauche hereinzuwehen schien, that ihm wohl und wiederum wie am Morgen dachte er daran, daß er auf diesem kleinen, stillen Erdenflecken, wohin ihn Gott gestellt, Segen bringen wollte nach seinen besten Kräften.

Die Dienstmagd rief ihn zum Abendbrot. Er fand den Pfarrer bereits am Tische sitzend. Auf dem nicht mehr ganz sauberen Linnen stand Brot, Butter, Käse, einige Eier und aufgeschnittener Schinken, dazwischen wieder der große Zinnkrug, aus welchem der Pfarrer die Gläser füllte. Dieser sprach nicht viel während des Essens, erst nach demselben lehnte er sich behaglich in seinen Stuhl zurück und begann, während er seine Pfeife stopfte, den jungen Kaplan nach seinen Familienverhältnissen zu befragen.

Dann trat die Köchin ein und schien den Tisch abräumen zu wollen, aber sie setzte sich auf einem Stuhle neben dem Pfarrer nieder, stemmte den Arm vor sich hin und sagte:

»Der Waldbauer war da, aber den Pachtzins für die Wiese hat er noch immer nicht gebracht; eine Kuh wär' ihm gestorben, und er hätt' eine andere kaufen müssen, und da will er noch acht Wochen Frist haben – aber das geht nicht, er ist ein verlogener Lump, und ich hab' ihm auch gesagt, daß wir nicht länger warten können und daß wir ihn verklagen, wenn er nicht bei acht Tagen zahlt.«

Das Weib sprach so resolut und selbstbewußt, daß Peter Frohwalt den Pfarrer einigermaßen befremdet und erstaunt anblickte. Dieser schien auch verlegen; er räusperte sich, trank einmal mit kräftigen Zügen sein Glas leer und sagte dann:

»Er hat wirklich das Unglück gehabt mit der Kuh, Barbara – wir wollen doch nicht hart sein; er wird schon zahlen!«