»O, es macht mir Vergnügen, italienische Werke zu lesen, und die Sprache selbst ist an und für sich so schön!«
Der alte Priester sah ihn noch immer mit großen Augen an, während das Weib mit dem Kopfe schüttelte und spöttisch dreinschaute; da kam die Magd herein.
»Hochwürden, Herr Pfarrer,« sagte sie, »die Pilz-Rosalie in Květau liegt im Sterben und Sie möchten so gut sein und sie versehen, der Kirchendiener ist schon nach der Kirche gegangen.«
»Das paßt jetzt auch schlecht,« warf die Köchin hin, während der Pfarrer mit einem Seufzer nach dem großen Zinnkruge blickte – Frohwalt aber, der wohl merkte, daß der alte Herr nicht von besonderer Berufsfreudigkeit erfüllt war, und der gleichzeitig damit die ihm wenig erfreuliche Unterhaltung abbrechen wollte, erklärte:
»Ich will gehen, Herr Pfarrer, doch müssen Sie mir, da meine Sachen noch nicht hier sind, Ihre Klerik borgen.«
Das Gesicht des alten Mannes leuchtete vor Vergnügen; er zog eine kräftigere Rauchwolke aus seiner Pfeife, gab dem Kaplan dankbar die Hand, und wenige Minuten später war Peter Frohwalt in der Kirche, legte die geweihte Hostie in die Bursa, hing sich diese um den Hals und schritt nun, im Amtsgewande des Pfarrers, hinter dem Küster drein, dessen Glöcklein fast unablässig ertönte.
Die Dämmerung war eingebrochen, und das letzte Abendrot verglühte im Westen; aus Feld und Flur stieg ein Düften, und auf Wiesenwegen schritten die beiden hin. Wo ihnen Menschen begegneten, sanken sie auf die Knie vor dem Leib des Herrn und neigten die Häupter, und der junge Priester ging mit gehobener Seele.
Noch vor dem Dörfchen Květau, am Saume eines Gehölzes stand das Häuschen, in welchem die Kranke lag, welche die letzte Wegzehrung begehrte. Frohwalt sah in der dunklen Stube, in welcher jetzt eine geweihte Kerze einen müden Schein verbreitete, ein steinaltes Weiblein, dessen verwittertes Gesicht aus dem Deckbett hervorschaute mit sterbensmüden Augen, in denen es noch einmal aufleuchtete, als der Priester kam.
»O mein Jesus – Sie sind wohl der neue Herr Kaplan?« fragte sie mit leiser Stimme, und als der Gefragte es bejahte, fügte sie bei: