»Ach jetzt bin ich schon glücklich, daß Sie kommen und mir den lieben Heiland bringen. Ich denk', mit mir geht's nimmer lang. Geh' hinaus, Susel, – sprach sie zu dem kleinen Mädchen, das noch in der Stube war – damit ich dem hochwürdigen Herrn meine Sünden sagen kann!«

Die Kleine ging zugleich mit dem Meßner, und mit einem seltsamen Empfinden nahm Peter Frohwalt das erste Sündenbekenntnis eines Menschen entgegen und noch dazu eines sterbenden. Das alte Weiblein hatte nicht viel zu beichten, aber dennoch hob sich seine Seele von einem heiligen Schauer, als er an Gottes Statt die lateinischen Worte der Vergebung sprach. Dann reichte er der Alten den Leib des Herrn, und nun blieb er noch eine Weile bei ihr sitzen.

»Ach, mir ist jetzt so sehr wohl,« sagte sie – »beinahe wie in meinem ganzen Leben nicht; es ist doch schön, wenn man mit seinem Herrgott gut steht und ruhig an den Augenblick denken kann, da er einen heimrufen wird. Vergelt's Gott, daß Sie gekommen sind. Sehen Sie, der Herr Pfarrer ist ein seelenguter Herr, er hat mir heimlich manchen Guldenzettel zugesteckt, von dem die Barbara nichts weiß – aber die Barbara … Gott verzeih' mir's, ich will nichts weiter sagen, nein, nein – der Herr Pfarrer ist eben auch ein armer sündiger Mensch, aber Sie haben noch nicht lange die heilige Weih' erhalten, die wirkt noch bei Ihnen, und darum freut's mich, daß Sie gekommen sind.«

Das Weib redete mit unverkennbarer Anstrengung, aber die Geschwätzigkeit des Alters verließ sie auch jetzt nicht. Frohwalt jedoch wünschte nicht durch müßiges Reden den Eindruck des heiligen Abendmahls zu stören, darum erhob er sich und reichte der Alten die Hand. Sie faßte dieselbe in ihre beiden hagern, harten Hände und sagte:

»Bewahre Ihnen der liebe Gott die Freude an Ihrem Beruf, der so schön ist!«

Dann zog sie seine Rechte ehrerbietig an ihre welken Lippen und sank auf das Lager zurück. Der junge Priester verließ den schwülen, dumpfen Raum, und trat ins Freie. Die angenehme Kühle that ihm wohl, noch mehr aber das Bewußtsein, gleich in den ersten Stunden seiner Amtsthätigkeit einer Menschenseele Trost und Erquickung gebracht zu haben, und so schritt er jetzt neben dem Meßner, der ihn erwartet hatte, langsam wieder Nedamitz zu, wobei er nur mit halbem Ohr auf den geschwätzigen Gefährten hörte, der ihn über die Verhältnisse des Kirchspiels im allgemeinen und besondern zu unterrichten bemüht war.

Im Zimmer des Pfarrers sah er noch Licht. Er trat darum ein, um die Klerik zurückzustellen und fand den alten Herrn auf dem grünen Sopha, wie er mit Barbara »Mariage« spielte. Der Zinnkrug stand noch auf dem Tische. Er hielt sich nicht auf, ihn widerte dies Bild an nach dem, was er vor kurzem geschaut hatte, und er ging nach seinem Zimmer, wo er seinen Koffer vorfand, welchen der Knecht von der Station geholt hatte.