Peter Frohwalt war sich im Augenblick gar nicht klar über den Vorgang; er rief nur:

»Komm schnell, Jakob, den Herrn Pfarrer hat der Schlag getroffen – hilf ihn mir ins Bett tragen und hole den Arzt!«

Dann lief er davon, und der Knecht, welcher hastig eine Jacke überstreifte, rief der Dirne noch ein leichtfertiges Wort zu, dann folgte er dem Kaplan. Sie betraten das Zimmer des Pfarrers, der noch in derselben Stellung lag wie vordem, nur war das Haupt noch tiefer gesunken und das Röcheln ähnelte mehr einem Schnarchen. Der Knecht trat heran, betrachtete ihn, kratzte sich am Kopfe und sprach halb heiter, halb verlegen:

»Ich denke, er ist tot? – Hochwürden, Sie glauben, daß das ein Schlag ist? – Hm – hm – der Herr Pfarrer ist nicht krank, er ist nur – er hat nur …«

Der Bursche wies nach dem großen Kruge, und Peter Frohwalt ging zu seiner Bestürzung eine trübe Erkenntnis auf. Das also war's! – Betrunken! Und dazu hatte er den Knecht geholt! Er schämte sich, zumal er die Empfindung hatte, daß der Bursche mit seinem dummen Lächeln auf dem breiten Gesichte einen solchen Anblick schon kannte. So gebot er denn diesem zuzugreifen, gemeinsam kleideten sie den Pfarrer aus, der sich auch jetzt nicht ermunterte, sondern nur mit halb geschlossenen Augen unverständliche Dinge murmelte und nach Barbara verlangte, und dann brachten sie ihn zu Bette. Nun huschte der Knecht davon, denn ihm war es unbehaglich, wenn er daran dachte, daß ihn der Kaplan wegen der Magd zur Rede stellen könnte; auch wartete die Dirne vielleicht auf ihn. Frohwalt aber löschte das Licht und ging tieftraurig nach seinem Zimmer.

Am andern Morgen schien ihm der Pfarrer auszuweichen; es mochte doch eine Erinnerung in ihm aufdämmern, daß sein Kaplan ihn zu Bett gebracht, aber er rührte nicht an der Sache. Auch Frohwalt that dies nicht, aber ein anderes lag ihm auf der Seele, die Beziehung von Knecht und Magd. Er war sich erst in schlafloser Nachtstunde über den Vorgang in der Knechtkammer bekannt geworden und entsetzte sich über die Unsittlichkeit unter dem geistlichen Dache. Hier mußte Abhilfe geschafft und einer von den beiden, oder alle beide aus dem Dienste entlassen werden.

Er brachte am Abend, als er mit dem Pfarrer allein zu Tische saß, die Rede darauf. Der alte Mann geriet sichtlich in Verlegenheit; er sprach nach vielem Räuspern:

»Mein lieber junger Amtsbruder, Sie fassen die Dinge etwas zu rigoros auf. Sehen Sie, das ist auf dem Lande nicht anders und läßt sich, wenn die Leute nicht selber die sittliche Kraft haben, nicht gut ändern. Hier hilft kein Zureden und kein Entlassen. Wenn ich andere Dienstboten nehme, geht es genau wieder so, weil's junge Leute sind, und alte kann ich nicht brauchen!«

»Aber mein Gott, das ist ja entsetzlich. Das kann ja nicht sein, daß gute Mahnung ganz umsonst sein sollte. Ich will selber einmal mit Jakob sprechen und ihm ans Gewissen klopfen; im Pfarrhause wenigstens muß es in sittlicher Beziehung sauber sein und von da aus muß ein gutes Vorbild und Beispiel gegeben werden.«