Der Pfarrer wurde noch verlegener und suchte sich mit »Ja, ja – hm, hm« zu helfen; er war froh, als Barbara eintrat und das Gespräch damit unterbrochen wurde.
Der Kaplan aber suchte schon in den nächsten Tagen eine Gelegenheit, mit dem Knechte, der ihm sichtlich auswich, allein zu sein. Er redete ihm scharf und doch warm ins Gewissen und verlangte mit Entschiedenheit, daß er keine solche Schande über das Haus bringe, weil er – Frohwalt – dann in jedem Falle auf seiner Entlassung bestehen müsse schon im Interesse der guten Zucht und der Verhinderung allgemeinen Aergernisses.
Der Bursche grinste ihn dummdreist an und sagte mit einem blöden Lächeln:
»Je ja – Hochwürden – ich will ja die Franziska heiraten – wir sind eben Brautleute – und ist alles in Ehren! Wenn Sie so sein wollen, dann wär' über Manches zu reden – ich spreche nicht vom Pfarrhause, Gott behüte – aber im Dorfe! Der untere Wirt lebt mit seiner Magd – und da spricht niemand mehr drüber –.«
»Ich werde aber drüber sprechen! Das muß anders werden, im Hause und im Dorf, verlaß Dich drauf, Jakob! Und richte Dich danach samt der Franziska!«
Den jungen Priester hatte ein heiliger Zorn ergriffen, sein Gesicht glühte, als er fortging, der Knecht aber sah ihm kopfschüttelnd mit seinem dummen Lächeln nach.
Nun begann Frohwalt erst nach dem und jenem im Dorfe zu fragen und erfuhr denn so manches, was in einer kirchlich gut geleiteten Gemeinde nicht sein sollte. Das war ja ein kleines Sodom! Besonders die Geschichte mit dem untern Wirte, die sich bestätigte und in der niemand ein Aergernis sah. Der Mann war Witwer und die Magd ein stattliches Weibsbild.
An dieser Stelle mußte der Hebel zuerst angesetzt werden. Wiederum sprach Peter Frohwalt zuerst mit dem Pfarrer, der hin- und herredete und, wie es schien, doch nicht den Mut hatte, hier vorzugehen. Es wäre doch nichts zu machen. Man könnte ja mit Exekutivmitteln die Entfernung des Weibsbildes durchsetzen, aber einen Zweck würde das kaum haben, sie ginge zu einer Thür hinaus und käme bei der andern wieder herein. Am besten wär's da, ein Auge zuzudrücken, so lebe man wenigstens in Frieden mit den Leuten.
Damit aber mochte sich der Kaplan nicht beruhigen, und als er eines Nachmittags den unteren Wirt behäbig vor seiner Thüre stehen sah, und dieser ihn mit einem biedermännischen Schmunzeln beinahe vertraulich grüßte, trat er auf ihn zu und fragte, ob er vielleicht für eine Viertelstunde unter vier Augen mit ihm reden könne.
Der Mann war verwundert und bat ihn einzutreten. Er führte ihn nach dem Obergeschoß des Hauses, wo die Wohnzimmer waren. Auf der Treppe begegnete ihnen die Magd, ein blühendes, dralles Weib, das ihnen freundlich zulachte und das der Wirt ohne jede Scheu auf den nackten Arm tätschelte.