Das Wort gab ihm eine wunderbare Ruhe und Klarheit. Den Augenblick besiegen, immer gut sein! Darin lag ja alles, und der das sagte, der ihm in dieser Weihnacht solchen Trost verlieh, war – ein Protestant, aber der Gedanke vermochte ihn heute nicht zu erregen, um so mehr, als er manches Goldkorn schon in dem Büchlein gefunden hatte, das ihn bald abstieß, bald wieder seltsam anzog. Mit dem Gelöbnis, stets aufs neue danach zu streben, immer gut zu sein, ging er um Mitternacht, als die Glocken klangen, hinüber nach der Kirche zur Mette.

Der erste Weihnachtsfeiertag brach wenig freundlich an; er brachte kalten Wind und Schnee, und Frohwalt empfand sein ganzes Unbehagen, als er nach dem Filialdorfe Květau hinüberwanderte, um in der dort befindlichen Kapelle die heilige Messe zu lesen. Es war immer ein Stündchen Wegs, und selbst auf der Straße schlechter Pfad, aber, den Kragen seines Ueberrockes heraufgeschlagen, die Klerik hochgeschürzt, so schritt er wacker aus.

Das kleine Gotteshaus war ganz gefüllt von Andächtigen, zu dem Klange der bescheidenen, dünnstimmigen Orgel tönte der fromme Gesang des Weihnachtsliedes:

Ein Kind geboren, gar wunderschön,
Zur Erd ist kommen aus Himmelshöhn –
Hallelujah!

Bei dem alten Lehrer trank er nach dem Gottesdienste eine Tasse Kaffee und hörte dessen Klage über die Feindseligkeiten zwischen den Deutschen und den Tschechen im Dorfe, welche durch die Tagesblätter, besonders die tschechischen, gegen einander gehetzt würden; er hätte manchmal mit der Jugend schon seine liebe Not. Dann ging er wieder gen Nedamitz zurück. Das Wetter war besser geworden und über dem winterlichen Landschaftsbilde lag ein wärmerer Sonnenstrahl, so daß sein Kirchdach recht freundlich aus der weißen Schneehülle herauslugte.

Dann saß er am Mittagstische mit dem Pfarrer beisammen. Der Gänsebraten duftete, und in den Gläsern perlte heute goldiger Czernosecker. Der alte Herr fühlte sich angesichts dessen besonders behaglich und heiter, aber auch hier sollte es sich bewähren, daß »der bösen Mächte Hand zwischen Lipp' und Kelchesrand schwebt.«

Die Köchin kam plötzlich recht eilfertig herein und hinter ihr ein Mann aus Květau. Sie rief:

»In Květau hat's nach der Kirche eine Rauferei gegeben, und der Jiři Pacak ist gestochen worden. Er wird wohl sterben, und da möcht' jemand kommen und ihm das Sakrament geben. Da haben die Deutschen wieder angefangen, die Mörderbande!«

»Ach nein« – suchte der Bote dazwischen zu reden – »der Jiři ist selber Schuld gewesen, er hat …«