Sein Herz schlug ihm höher vor Freude, als er die Berufung las, und da er dem Pfarrer Mitteilung machte, sagte dieser, indem er ihm Glück wünschte:
»Dort passen Sie hin, und ich gönn's Ihnen von Herzen! Aber wenn Sie dort sind und einmal die violette Halsbinde[3] tragen, denken Sie nachsichtig an einen alten Landpfarrer!«
[3] Abzeichen der Domherren.
Es klang eine schmerzliche Wehmut aus den Worten des greisen Priesters, und verständnisvoll drückte ihm Frohwalt die Hand.
Als der Frühling seinen Einzug hielt und die Bäume in den Gärten von Nedamitz blühten, verließ der Kaplan die Stätte seiner bisherigen Wirksamkeit. Der Knecht – es war nicht mehr Jakob, welcher vor kurzem wegen Unredlichkeit entlassen worden war – brachte sein Gepäck nach der Station, er selbst ging, wie er zu Fuße einst gekommen, ebenso wieder hinaus aus dem Dorfe. Der Pfarrer gab ihm das Geleit und Barbara, die ihm noch eine gebratene Ente in seine Umhängtasche gepackt hatte, wischte sich sogar das Auge aus mit dem Schürzenzipfel und küßte ihm die Hand. Es geschah vielleicht aus Klugheit, nachdem sie wußte, daß er jetzt am Sitze des allmächtigen Konsistoriums wohnen würde.
Die Leute in der Dorfgasse grüßten ihn freundlich, und er gab allen, die ihm begegneten, die Hand; besonders die Kinder aber drängten sich noch einmal heran, ihn mit dem Handkusse zu begrüßen. Beim untern Wirtshaus stand der Wirt mit seinem jungen Weibe unter der Thüre. Der Mann lüftete lustig sein grünes Sammtkäppchen und rief ihm herzlich-freundliche Worte zu, und Peter reichte auch den Beiden seine Rechte. Vor dem Dorfe sah er noch einmal zurück. Die erste Station seiner Berufsthätigkeit! Der Gottesfriede, der über dem freundlichen, blühenden Landschaftsbilde lag, ergriff ihn mächtig, und erst in dieser Minute wurde ihm der Abschied wirklich schwer.
»Gottes Segen über alle, die hier wohnen!« sprach er halblaut, und sah mit schimmernden Augen in das Angesicht des gleichfalls tiefbewegten Pfarrers.