Dort sah am Fenster zwischen den blühenden Blumen ein blonder Mädchenkopf heraus, um gleich darauf zu verschwinden. Marie sah Grethel zum ersten Male wieder und wollte hinauseilen, um das Kind zu begrüßen, da stand auch schon Freidank auf der Schwelle. Sie war einigermaßen verlegen, aber sie bat ihn, einzutreten in die Stube, in welcher die Mutter am Tische saß, mit einer Handarbeit beschäftigt. Sie selber nahm das Kind auf den Arm, welches sich mit größter Innigkeit an sie anschmiegte.

Der Uhrmacher, welcher den ihm gebotenen Stuhl angenommen hatte, schien einigermaßen in Verlegenheit zu sein, als ob ihm das rechte Wort fehle; endlich sprach er:

»Es drängt mich, noch einmal von ganzem Herzen Fräulein Marie zu danken für das, was sie meinem Kinde gethan hat; meine Grethel wär' heute bei ihrer Mutter, wenn Sie nicht gewesen wären,« wandte er sich zu dem Mädchen, welches sich wieder an dem Fenster niedergelassen hatte.

»Der liebe Gott hat geholfen, und wir wollen ihm alle dafür danken, nicht wahr, Mäuschen?« sagte Marie zu dem Kinde, das auf ihrem Schoße saß und mit dem Kreuzchen spielte, das auf ihrer Brust hing.

»Ja, ja, freilich der liebe Gott,« erwiderte Freidank, »aber er thut's manchmal durch seinen Engel, und der sind Sie diesmal gewesen.«

»Ich hab's gethan, weil ich doch meiner guten Grethe versprochen hatte, über ihr Kind zu wachen, wenn sie's selber einmal nicht mehr könnte!«

»Haben Sie das wirklich versprochen?« rief lebhafter der Uhrmacher – »ja, wenn Sie nur auch …«

Er wußte offenbar nicht recht, wie er sich ausdrücken sollte, und suchte nach Worten.

»Sehen Sie, das Kind ist so verlassen, und ich auch. So kann's nicht weiter gehen, dabei gehen wir beide zu Grunde. Die alte Becker hat ja den guten Willen, aber sie muß doch zuerst auf ihre Wirtschaft und auf ihre Verwandtschaft sehen, und dann … sie versteht auch nicht mit dem Kinde umzugehen. Nein, so kann's nicht gehen, und wenn Grethel mir wieder krank würde, denken Sie nur, was das werden soll! Das arme kleine Ding braucht eine Mutter … und da dacht' ich … ob Sie nicht, da Sie auch meiner seligen Grethe versprochen haben … ob Sie nicht – – mein Weib werden wollten!«

Er hatte stockend, wie mit beklemmtem Atem gesprochen und endlich die letzten Worte hastig hervorgestoßen.