»Das wird der liebe Gott schon alles schlichten, wenn nur überall der gute Wille ist. Für heute lassen Sie uns friedlich und freundlich auseinander gehen, und Fräulein Marie, wenn Sie überlegen, denken Sie immer zuerst an Ihre verstorbene Freundin und deren Kind, und dann erst ein wenig an mich!« Marie hatte feuchte Augen, als sie dem schlichten Manne die Hand reichte, der nun seine Kleine zu sich aufhob und langsam dem Ausgang zuschritt. »Wenn's nicht sein kann, schreiben Sie mir's mit einer Zeile, und wenn ich eine solche in acht Tagen nicht erhalte, dann komme ich wieder!« sagte er noch, und Marie nickte stumm.

Als die beiden Frauen allein waren, erhob sich die Mutter; sie schlang die Hände in einander, trat an ihre Tochter hin, sah ihr tief in die Augen und sprach: »Marie – Du willst ihn doch heiraten!«

»Um des Kindes willen, Mutter – ja! Seit ich Grethel dem Tod abgerungen habe, ist sie recht eigentlich mein geworden, und ich kann mir nicht denken, daß sie eine andere Mutter einmal erhalten könnte. Das habe ich so kommen sehen, als ich in der letzten Nacht am Bette der Kleinen wachte und als mir Freidank im Gefühle der überwundenen Angst die Hand küßte.«

»Und Peter?« fragte die Frau.

»Schreibe Du ihm, Mutter, aber so, daß Du daran denkst, daß auch ich Dein Kind bin. Du wirst bessere Worte finden, als ich!«

Die beiden hielten sich stumm in den Armen, dann riß sich Marie los und ging hinaus. Nicht lange darnach schritt sie durch die stille, heiße Gasse. Das Herz war ihr zum Zerspringen voll; sie mußte sich jemandem mitteilen, und der, zu welchem sie das meiste Vertrauen hatte, war der Vetter Martin.

Sie fand ihn daheim unter seinen Schätzen, ordnend und sichtend, und da er sie sah, kam er herzlich ihr entgegen.

»Na, solcher Glanz in meiner Hütte! Ich dächte, Du wärst recht lange nicht bei mir gewesen, das heißt innerhalb der vier Pfähle, denn Gartenbesuch zählt nicht. Willst wohl einmal sehen, was ich an Kuriositäten von meiner letzten Reise mitgebracht habe?«

»Das ist's eigentlich nicht, Pathe Martin, sondern ich brauche Deinen Rat und Deine Hilfe!«