»Ach, ich habe ihr ja schon gesagt, und auch ihm, daß das ganz unmöglich sei, daß wir Dir schuldig seien …«
»Auch das, aber das ist ja nebensächlich, doch ich kann gar nicht daran denken, daß Marie ihr Seelenheil so leichtfertig opfern will. Du hast Dir wohl noch nicht überlegt, daß Dir Dein Beichtvater die Sündenvergebung verweigern müßte und daß Du der Gnadenmittel der Kirche Dich beraubtest – –«
»Ich habe an alles gedacht« – sprach halblaut und mit gesenktem Kopfe das Mädchen – »aber wenn die verstorbene Grethe evangelisch war und dabei doch so gut und brav, wie wenige Menschen, so möchte ich gleichfalls evangelisch werden.«
Der junge Priester sprang heftig auf. Er stieß den Stuhl zurück, auf welchem er gesessen hatte, und in seinem Gesichte flammte es:
»Hat Dich denn der Teufel verblendet, Marie, daß Du so reden magst? – Das ist Dein Ernst nicht! – Du hast die Wahl zwischen uns, Deiner Mutter und Deinem Bruder einerseits, und zwischen Freidank andererseits, zwischen dem Segen, den der Himmel ausdrücklich dem Kinde verheißt, das seine Eltern ehrt, und zwischen dem Fluche, den die Kirche auf das Haupt der Abtrünnigen schleudert. Ehe Du wählst, denke aber auch an Deinen toten Vater, dem Du im Grabe noch eine Schande anthun würdest, wenn Du seinen Glauben verläßt!«
Die Mutter zitterte an allen Gliedern, und sah bald eins, bald das andere ihrer Kinder an, und aus den Wangen Mariens schien jeder Blutstropfen gewichen zu sein. Peter Frohwalt aber stand da, wie einst der Racheengel mit dem flammenden Schwert vor dem verlorenen Paradiese und hob seine Stimme mit wärmerem Klange:
»Noch ist das entscheidende Wort nicht gesprochen – o sprich's nicht, Marie! Opfere nicht der Hölle, was dem Himmel gehört, Deine unsterbliche Seele! Du hast sie nur einmal zu verlieren, und wenn der unselige Bund erst geschlossen wäre, so wärest Du unrettbar verloren in Deiner maßlosen Schuld vor dem Herrn! Und bedenke das Aergernis, das Du Hunderten von guten Christen geben würdest – –«
»Noch ist das entscheidende Wort nicht gesprochen – o sprich's nicht, Marie! Opfere nicht der Hölle, was dem Himmel gehört, Deine unsterbliche Seele!« (Seite 91).
»Ach höre auf ihn, Marie, er meint's doch so sehr gut mit Dir, thu' mir die Freude und die Liebe, daß ich meine Kinder in Eintracht sehe und einmal mit dem Glauben sterben kann, daß wir uns alle, gemeinsam mit Deinem guten Vater, in einem Himmel wiedersehen werden.«