Die alte Frau hing sich schluchzend an den Hals des Mädchens, das bei diesem doppelten Ansturm beinahe die Fassung verlor – da kam diesem eine unerwartete Hilfe. In der Thüre stand mit einmal die alte Frau Becker und hatte die kleine Grethel an der Hand.

»Sie haben wohl mein Klopfen nicht gehört und da bin ich so eingetreten – nehmen Sie's nicht übel … ach, der geistliche Herr!«

Sie knixte einige Male und fuhr zungenfertig fort:

»Die Kleine hat ja nicht geruht, und wollte, weil wir gerade hier vorbeikamen, durchaus zu Ihrer lieben Marie und da habe ich ihr denn den Willen gethan. Na sehen Sie nur!«

Das Kind war ohne weiteres zu dem blonden Mädchen hingeeilt, und das hatte es beinahe stürmisch aufgehoben, es an sich gepreßt und küßte es jetzt wortlos, aber immer wieder. Endlich rang es sich wie ein Schluchzen aus Mariens Brust und sie rief:

»Wir bleiben beisammen, Grethel, wir bleiben beisammen!«

Frau Becker sah verdutzt von einem zum andern, und ihr schien ein Verständnis aufzudämmern.

»Wir haben hier wohl gestört?« fragte sie halb verlegen, halb mit forschender Neugier.

»Nein, nein, Frau Becker« – stieß Marie hastig hervor – »ich habe nur soeben meinem Bruder mitgeteilt, daß ich Freidank heiraten will!«