»So ist's recht! Da ist ja die Geschichte schon im Gange und bei der Beckern auch gleich ins richtige Maul gekommen. Da steht das arme Mädel wohl schon im ersten Sturme, und um ihretwillen will ich dem alten Weibe den Stoß verzeihen, der mir bis auf das Zwerchfell gegangen ist. Da gilt's sogleich die Reserven vorrücken zu lassen, damit sie mir das Kind nicht kopfscheu machen. Vorwärts, Martin Hinkebein – auf nach Valencia!«
Und rascher humpelte er an seinem Stocke fort nach dem Thore zu und betrat die Stube bei Frohwalt just zur Zeit, wo die Wogen der Empörung seitens des jungen Priesters hoch anbrandeten gegen die verzweiflungsvoll sich wehrende Widerstandskraft des armen Mädchens.
»Gott zum Gruße und da wären wir ja glücklich!« sagte er beim Eintreten und reichte Peter die Hand. Verlegen nahm dieser sie an, aber er vermochte dabei nichts zu sprechen. So herrschte ein peinliches Schweigen in der freundlichen Stube, während die hellen Augen des alten Mannes von einem zum anderen schweiften.
»Hier ist wohl Vehmgericht – da komme ich, denke ich, gerade recht!«
Peter fand nun das Wort wieder:
»Ja, Vetter Martin, Du kommst recht, um eine Verirrte wieder auf den rechten Weg bringen zu helfen. Du bist bei uns seit langen Jahren wie an Vaters Stelle gewesen, nun sprich auch diesmal ein Wort, wie es unser seliger Vater gesagt hätte. Marie will nämlich – –«
»Den Uhrmacher Freidank heiraten – weiß ich, mein lieber Peter, und es ist mir lieb, daß Du mich an Deinen seligen Vater erinnerst. Der war aber kein blinder Eiferer, und hielt dafür, daß jeder Mensch selig werden könne, wenn er nur rechtschaffen an den lieben Gott glaube und ihn und alle seine Mitmenschen lieb habe. Darum würde er auch jetzt sagen: ›Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden!‹«
»Aber das ist ja Gotteslästerung! Das fügt doch Gott nicht zusammen – –«
»Wie kannst Du das behaupten? Wenn ohne ihn kein Haar von Deinem Haupte fällt, finden sich ohne ihn auch nicht zwei Herzen zusammen …«
»O Vetter, Du verwechselst Fügung mit Zulassung; Gott läßt auch Mord und Verbrechen zu – –«