»Richtig, aber darum handelt's sich hier nicht!«
»Doch – es ist ein Verbrechen, das Marie begehen will an ihrer Seele, die ich kraft meines Amtes mit zu hüten und zu schützen habe.«
»Sage, Peter, aber ganz aufrichtig: Hättest Du etwas gegen die Verbindung Deiner Schwester mit Freidank einzuwenden, wenn er nicht evangelisch wäre?«
Der Priester zögerte einen Augenblick, dann sagte er: »Nein!«
»Also der Mensch ist Deiner Ueberzeugung nach brav, ehrlich, tüchtig, und hat nur den Fehler, daß er nicht Deinem Bekenntnis angehört –«
»Und daß er ein Abtrünniger ist!«
»Na, und wer hat ihn denn dazu gemacht? Ihr mit Euern frostigen, lieblosen Satzungen habt ihn selber hinausgedrängt aus der Kirche, und nun wollt ihr ihm ein Verbrechen aus dem machen, was ihr im letzten Grunde – ihr mögt es drehen und wenden, wie ihr wollt – selbst verschuldet habt. Und nun soll dem armen Menschen auch alles andere Lebensglück zertreten werden? Wenn er jetzt für sich ein braves Weib, für sein Kindchen eine gute Mutter sucht, wollt ihr wieder mit euren kalten Satzungen dazwischentreten? Deine Schwester will den Weg der Nächstenliebe gehen, Du aber den Weg des Hasses – wer handelt mehr im Geiste Gottes, dem nicht gedient wird durch blindes Eifern?«
Das Gesicht Peter Frohwalts verzog sich beinahe schmerzlich, da er sagte:
»Aber, Vetter Martin, das verstehst Du nicht! Du weißt nicht, was ich meiner heiligen Kirche, und was ich mir schuldig bin!«
»Das weiß ich wohl, aber ich fürchte, daß Du es nicht weißt. Du sollst ein Diener Gottes sein im Geiste und in der Wahrheit, das bist Du der Kirche und Dir schuldig – so diene dem Geiste, der ein Geist der Liebe ist, und diene der Wahrheit und kümmere Dich nicht um den Schein. Und wenn man Dir nachsagt, daß Deine leibliche Schwester einen Protestanten geheiratet hat, so habe den ehrlichen Mut und sprich: