›Er ist ein braver Mann, und glaubt an denselben Gott wie ich!‹«
»Aber Marie will selber evangelisch werden!« stöhnte der junge Priester.
»Das find' ich in der Ordnung. Ich bin kein Freund von gemischten Ehen, und was dabei herauskommt, hat sich bei Freidank bereits gezeigt. Nein, nur keine Halbheiten! Und da nicht zu verlangen ist, daß der Uhrmacher wieder katholisch wird, so wird sein Weib evangelisch werden – meinst Du, daß darum Deine Schwester eine schlechte Person wird, daß das, was jetzt gut an ihr ist und was alle Menschen an ihr lieb haben, dadurch mit einmal zur Scheusäligkeit verkehrt wird?«
»Und ich dulde es nicht, und werde es niemals dulden!« schrie jetzt Peter mit Heftigkeit auf – »und wenn sie dennoch wagt, mir und ihrer Mutter, die mit mir empfindet, zu trotzen, so werden wir vergessen, daß sie zu uns gehört und uns von ihr wenden für alle Zeit, und wie sie dem Fluche der Kirche verfällt, so soll sie …«
Die alte Frau kam bleich, mit aufgehobenen Händen an den Sohn heran, auch Marie stand fassungslos und klammerte sich mit der Rechten an die Lehne eines Stuhles, indes sie die Linke heftig gegen das pochende Herz preßte; Martin aber trat ganz nahe zu dem erregten Priester und sah ihm fest und ruhig in das gerötete Angesicht:
»Halt – nicht weiter – Verkünder der göttlichen Liebe! – Ich habe gemeint, daß Dir das Leben in Nedamitz schon eine Lehre gegeben haben würde, daß mit Eifern und mit blinder Gehässigkeit nichts gethan ist – ich sehe, Du hast wenig gelernt und mußt noch in eine härtere Schule kommen, und, will's Gott, zu guten Lehrern. Du bist nicht aus dem Holze, aus dem man sonst Glaubenseiferer schnitzt, und aus Dir redet nicht das Herz, sondern die Schulweisheit. Das will ich Dir zugute halten, und darum sage ich nichts weiter als: ›Wenn Marie hier hinausgeworfen wird aus dem Elternhause, so soll sie bei mir eine Heimat finden; eine solche Tochter ist mir zu jeder Stunde willkommen!‹«
Aufschluchzend warf sich das Mädchen an die Brust des Alten, der ihr liebkosend über die blonden Haare strich und in einem unendlich milden Tone, der bei ihm fremd und deshalb gerade ergreifend war, sagte:
»Folge Deinem Herzen, mein Kind! Das ist wie Gold gewesen zu allen Zeiten, und das kann nicht über Nacht zu wertlosem Messing werden. Wenn sie Dich quälen, komm zu mir, noch heute, ich will Dich halten, wie Dein seliger Vater Dich gehalten hätte – dafür bin ich Dein Pathe!«