Die tschechischen Alumnen murrten noch da und dort halblaut, aber als das klare Auge des jungen Priesters, der sich hoch aufgerichtet hatte, sie scharf ansah, duckten sie scheu und schweigend nieder; Hans Stahl aber machte dem Adjunkten eine stumme und durchaus respektvolle Verbeugung und entfernte sich.

Zwei Tage später erhielt er von seinem Rektor eine strenge Vermahnung wegen grober Verletzung der theologischen Sitte und des geistlichen Anstands.


Sechstes Kapitel.

Es war ein Sonntag zu Anfang des Oktober. Der Himmel machte kein besonders freundliches Gesicht, und der Wind peitschte einen Regenschauer nach dem andern durch die Gassen der böhmischen Hauptstadt. Die vielen Kirchen waren wenig besucht und ihre Hallen sahen bei dem grauen, unfreundlichen Wetter trübe drein.

Am Pořič, wo die Straße hinabführt nach der schönen Franz-Josefs-Brücke, steht das kleine Kloster zum heiligen Josef. Hier sind Kapuziner daheim, und die freundliche Kirche wird von Andächtigen besonders gern besucht, denn das Volk hat zu den bärtigen Bettelmönchen mit ihrem schlichten Wesen von altersher eine gewisse Zuneigung. Auch heute sind die heiligen Hallen trotz des schlechten Wetters ziemlich gefüllt, denn die Kunde, daß ein junger Bruder seine Profeß ablegen werde, war immerhin bekannt geworden, und so lockte neben der Frömmigkeit auch die Neugier.