Mit gelbem, müdem Lichte flackerten die Kerzen vor dem Hochaltare, rötlich schimmerte der Schein der ewigen Lampe, und die Orgel klang schwertönig und stimmungsvoll. Vor den Stufen des Altars aber lag Frater Severin in seiner braunen Kutte mit dem Angesicht zur Erde gebeugt, während der Brüder ernster Gesang über ihn hin erklang. Dann sang er selbst mit seltsam zitternder Stimme:

»Suscipe me Domine secundum eloquium tuum et vivam et non confundas me ab expectatione mea.«[5]

[5] Nimm mich auf, o Herr, nach Deiner Verheißung und ich werde leben.

Im ernsten Chor erklang die Antwort und noch zweimal mit stets erhöhter Stimme sang der junge Professe. Dann erhob er sich und ging langsam die Stufen des Altars hinan, vor welchem in einem Polstersessel der Provinzial des Ordens saß. Nun verlas Severin – und seine Stimme war ungleich sicherer geworden als vorher, die lateinische Formel, mit welcher er sich dem Orden und seinen ernsten Satzungen auf Lebenszeit verband. Darauf ergriff er eine ihm dargereichte Feder und langsam schrieb er auf der Altarsplatte selbst seinen Namen unter das bedeutsame Schriftstück. Er zwang sich, ruhig zu scheinen, und nur an der Blässe des Gesichts vermochten die ihm Nahestehenden die innere Erregung zu ermessen, welche ihn ergriffen hatte.

Nun kniete er vor dem Provinzial nieder, der mit ernsten, milden Augen ihm wie in die tiefste Seele hinabsah; er legte seine gefalteten Hände in die Hände des greisen Priesters und sprach: »Promitto obedientiam!«[6] Dann umarmte ihn der Greis und gab ihm den Bruderkuß. Auch die andern Brüder näherten sich, und jeden begrüßte Severin in gleicher Weise mit den Worten:

[6] Ich gelobe Gehorsam.

»Do tibi osculum verae et sincerae confraternitatis!«[7]

[7] Ich gebe Dir den Kuß wahrer und aufrichtiger Brüderlichkeit.

Dann klang die Orgel und helle, schöne Menschenstimmen sangen von dem Chore herab. Ein freundlicher Sonnenstrahl kam wie ein tröstlicher Himmelsbote herein durch das Fenster, und Severin durchschauerte es wundersam, als ihn das himmlische Licht traf; es war ihm wie eine schöne Verheißung, daß eine höhere Macht ihm das tragen helfen wollte, was er auf sich genommen.

Niemals hatte er dem Gottesdienste in größerer Ergriffenheit beigewohnt. Nach demselben traf er im Sprechzimmer seine Eltern. Den beiden schlichten Leuten liefen die Thränen über die gebräunten Wangen, und sie drückten, ohne Worte finden zu können, den Sohn an ihre Brust. Die Mutter war besonders gerührt, und nahe daran, dem Jüngling die Hand zu küssen, welche noch nicht einmal die Weihe empfangen hatte.