Frohwalt schritt mit seinem Begleiter langsam über die weichen Teppiche; auf dem Flur begegneten sie einer hochgewachsenen Dame in dunklem Seidenkleide, die ihren Gruß steif herablassend erwiderte, und wenige Augenblicke später standen Sie unter den grünen Bäumen vor dem Hause.

Jetzt wurde der Pfarrer in der Freude seines Herzens gesprächig und redete von vergangenen Tagen, von seiner Dankbarkeit und fragte auch nach dem »Vetter Martin«, den er gern einmal wiedersehen möchte, und dessen Adresse er sich ausbat. Die konnte der Adjunkt ihm nicht geben, denn der Alte war bereits auf einer seiner Wanderungen, wie er von Vogel erfahren hatte, und diesmal noch nicht einmal in das alte heimatliche Winterquartier zurückgekommen.

Sie gingen langsam wieder die Spornergasse hinab, und vor dem grünen Hause, in welchem der Pfarrer wohnte, sagte derselbe:

»Wollen Sie nicht einen Augenblick mit heraufkommen, damit Sie wenigstens sehen, wo ich stecke.«

Frohwalt ging mit. Durch einen dunklen Flur kamen sie auf einen schmutzigen Hof, und im Hintergebäude stiegen sie eine enge Treppe hinauf, dumpfiger Geruch erfüllte die Räume, Kindergeschrei erscholl aus einigen Wohnungen, und im obersten Stockwerk war die Behausung des Pfarrers. Er öffnete die Thür und ließ seinen Besuch eintreten.

»'s ist nicht ganz wie beim Herrn Kanonikus!« sagte er mit einem Anflug wehmütigen Humors, und der Gegensatz, den er hervorheben wollte, war allerdings groß genug. Das Wohnzimmer, an das noch ein kleiner Alkoven stieß, war klein, und trotz der beiden Fenster nicht hell, denn diese gingen nach dem Hofe. Die Möbel waren beinahe ärmlich, und das wurmstichige Kanapee mit dem geblümten Kattunüberzuge ächzte, als sich Frohwalt darauf setzte.

»Ich habe meine Möbel verkauft,« sagte der Pfarrer; »der Transport hätte mich zuviel gekostet, und die da thun's ja auch für mich. Nur Einiges vom Hausgerät, das mir besonders lieb war, habe ich mitgenommen.«

Der Blick des Adjunkten fiel eben jetzt auf den wohlbekannten Zinnkrug, der von einem alten Schrank herabgrüßte, und er hätte gewünscht, daß derselbe mitsamt den Möbeln in Nedamitz geblieben wäre. Er hielt sich nicht lange auf in dem Raume; die Luft war muffig und lag ihm auf der Brust: Es war eine Mischung von Tabaksqualm und Kohlendunst.

Er war froh, als er langsamen Schrittes unter dem klaren Winterhimmel über die Brücke nach der Altstadt zurückkehrte. Bei dem Brückenturm begegnete er Professor Holbert, an dessen linker Seite Hans Stahl mit dem Ausdruck des Stolzes in dem frischen Gesichte einherschritt. Der erstere kam auf ihn zu und sagte ihm mit einem Händedruck:

»Sie sind mir noch immer einen Besuch schuldig, Hochwürden. Wie wäre es denn nächsten Sonntag nachmittag zu einer Tasse Kaffee? – Meine Tochter würde sich gleichfalls freuen.«