»Ich komme, wenn Sie gestatten, Herr Professor!«

»Schön – also, auf Wiedersehen!«

Und der Professor schritt mit Hans Stahl weiter nach dem Franzensquai, während der Adjunkt sich nach dem Seminar wandte.


Siebentes Kapitel.

Professor Holbert wohnte in der Zeltnergasse, nicht weit vom Pořič. Einfache Vornehmheit zeichnete die Räume aus, welche er innehatte, und das entsprach völlig seinem eigenen Wesen. Abhold jedem Prunk und Schein, gerade und ehrlich in Wort und Wirken, verschmähte er das Gehaltlose und Unechte auch in seiner Wohnung, und die geschnitzten Möbel, die wenigen aber trefflichen Bilder, die künstlerisch vollendeten Büsten, und die ganze Anordnung im allgemeinen zeugten von gediegenem Geschmack und von wohnlicher Behaglichkeit zugleich, so daß jeder Besucher sich bei ihm wohl fühlte, zumal er mit ungezwungener Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit empfangen wurde. Seine Gattin hatte der Professor seit einigen Jahren verloren, und Therese mußte ihm die Hausfrau ersetzen. Dazu besaß sie alle Fähigkeit: Klarheit des Geistes und Umsicht, gefälligen Schliff der Umgangsformen und Sinn für alles, was Anmut und Behagen in die Häuslichkeit zu bringen vermochte; der Professor nannte sie den Sonnenschein seines Hauses. Und dabei war sie noch jung, etwa neunzehn Jahre alt.