Leise zieht durch mein Gemüt,
Liebliches Geläute – –
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling' hinaus in's Weite!

Vor den Fenstern sang der Wintersturm, um so anmutender wirkte der Frühlingsgruß:

Wenn Du eine Rose schaust,
Sag' ich laß sie grüßen!

Dann setzten sich das Mädchen mit Dr. Haller und Stahl zusammen an den kleinen Tisch bei dem Kamin, in der Nähe des Fensters aber saßen die drei andern. Hier wurden wissenschaftliche Fragen behandelt, und dem jungen Kapuziner war es ein Genuß, die anderen beiden sprechen zu hören; nur als eine kirchengeschichtliche Frage gestreift wurde, wagte auch er einige Worte dazwischen zu werfen, die den Beweis lieferten, daß er auf diesem Gebiete wohl daheim war.

Da es zeitig dunkelte an dem Nachmittage, waren die Gaskronen angezündet worden, die ein freundliches Licht durch den behaglichen Salon ausgossen und den traulichen Eindruck desselben noch erhöhten. Leuchtender hob sich das helle Gewand des Mädchens von den dunklen Anzügen der Herren, sowie von dem tiefblauen Sammtbezug ihres Sitzes ab, und das Bild am Kamin war zum Malen hübsch.

Die drei jungen Leute blätterten in einer Mappe, die in photographischen Nachbildungen Meisterwerke der Malerei enthielt. Auch hier liebte es Dr. Haller, einen lehrhaften Ton anzuschlagen, wie einer, der gewohnt ist, mit unantastbarer Sicherheit über Kunstleistungen abzuurteilen. Hans Stahl hatte ab und zu eine Bemerkung dazwischen gethan, mehr zu dem Mädchen, als zu dem Arzte, aber es klang immer wie eine feindselige Gereiztheit in dem Tone. Die überlegene Art des andern schien ihn offenbar zu verdrießen.

»Ja, mein lieber Herr Stahl, das verstehen Sie doch wohl nicht zu beurteilen,« sagte jetzt der Doktor, sehr vernehmlich und nicht ohne Geringschätzung, so daß die Drei am Fenster unwillkürlich hinhorchten.

»Meinen Sie, Herr Doktor, daß man dazu Medizin studiert haben müsse?« entgegnete Stahl ziemlich scharf.

»Das nicht, wohl aber Kunstgeschichte und Aesthetik!« war die kühle, überlegene Antwort.