»Das ist meine Meinung auch, aber ich fürchte, Sie sind darin nicht weit genug gekommen.«

»Herr, solche Anzüglichkeiten verbitte ich mir!«

Therese war unruhig geworden und suchte lächelnd zu vermitteln, wobei sie ihre Hand auf den Arm des Doktors legte, der auch sogleich, das Unhöfliche des ganzen Vorganges erkennend, sich zu ihr wandte mit einem Worte der Entschuldigung. Aber auch das trug so den Stempel des Verletzenden für Stahl, daß dieser nach seiner heißblütigen Art aufstand mit dem Worte:

»Ein Unwissender auf diesem Felde bleiben Sie aber doch!«

Jetzt hatte auch der Professor sich erhoben und rief milde und freundlich herüber:

»Das klingt ja bitterböse. Darf man wissen, um was es sich handelt?«

Dr. Haller hatte sich zu beherrschen gesucht; er sprach:

»Wir haben hier eben das Bild »Jakob und Rahel« von Giorgione Barbarelli, von dem nach der Behauptung des jungen Theologen« – die Stimme des Redenden hatte hier einen spöttischen Klang – »das Original sich in der Dresdener Galerie befinden soll – –«

»Ich habe es oft genug dort gesehen,« warf Stahl dazwischen.

»– und dessen Maler nach der Meinung Herrn Stahls der älteren venetianischen Schule angehören soll.«