Der alte Priester schien ergriffen zu sein, denn er sprach mit ungemein milder, bewegter Stimme:
»Wohl Dir, mein Bruder, daß Du selbst den Weg gefunden hast zu Deinem Heil, und daß Du ihn schnell gefunden hast, nachdem Du wohl gestrauchelt, aber nicht gefallen bist. Ich habe auf Dich gewartet in dieser Stunde, denn ich bin Zeuge gewesen von Deiner Schwachheit, und daß Du kommst, erfüllt mein Herz mit Freude und seliger Hoffnung. Halte fest an diesem Gesetz Deines Gewissens, laß die Sonne niemals untergehen über einer Schuld, und Du wirst den Frieden finden, den der Herr verheißen hat. Wer so bereut wie Du, schnell und tief, der hat sich die Verzeihung erworben, und so absolviere auch ich Dich im Namen des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes. Zur Ehre Gottes aber bete heute fünf Vaterunser mehr als gewöhnlich. Und nun noch eins: Der Orgelunterricht soll nicht fortgesetzt werden, aber kein Mensch braucht zu ahnen, weshalb. Ich kann Ihnen mitteilen, lieber Bruder, daß der hochwürdige Herr Provinzial bei dem Mangel an Priestern in unserem Orden nachgesucht hat, daß Ihre Ausweihung zum Priester bereits zum Weihnachtsfeste erfolgen möge, und man hat der Bitte stattgegeben. Die würdige Vorbereitung zu diesem heiligen Akte macht das Aufhören jeder ablenkenden Nebenbeschäftigung von selbst nötig. Und nun gehen Sie mit Gott!«
Severin küßte tiefbewegt und wortlos die Hand des Guardians und verließ mit gesenktem Haupte, aber mit leuchtenden Augen dessen Zelle.
Achtes Kapitel.
Peter Frohwalt hatte sein letztes theologisches Rigorosum mit Auszeichnung abgelegt und stand vor seiner Promotion zum Doktor der Gottesgelehrtheit früher, als er selbst vermutet hatte. Der Tag, an welchem die letztere stattfand, war für ihn ein schöner Festtag. Er hatte seine Mutter dazu eingeladen – seine Schwester dagegen nicht – und die alte Frau war auch am Vorabend bereits in Prag eingetroffen und von ihrem Sohne auf dem Bahnhofe abgeholt worden. Er brachte sie in einem einfachen, guten Gasthause in der Nähe des Klementinums unter. Gerne hätte er auch Vetter Martin hier gesehen, aber der Alte kam nicht, obwohl er wieder daheim war. Er schickte nur mit der Mutter ein Brieflein, in welchem er nach seiner ehrlichen Manier gerade heraus erklärte: die Lieblosigkeit, mit welcher bei einem solchen Anlasse Marie übergangen worden sei, würde ihm die Freude an der Feier verderben.