Er hatte den Worten eigentlich die That schon vorausgeschickt, schmunzelte behaglich und sagte:
»Sieh, das ist der erste schöne Augenblick im goldenen Prag! Also, wie lebst Du?«
Frohwalt begann nun von seiner Tagesarbeit und von seinen Studien zu reden, von der Hoffnung auf einen Lehrstuhl an der Hochschule, und der Alte merkte, wie solche Aussichten auf die Zukunft ihn freudig bewegten. Als der Adjunkt geendet, sprach er, behaglich dampfend:
»Du bist ja tüchtig und fleißig, und ich gönne Dir von Herzen, daß Du einmal zum violetten Collare kommst, aber ein wenig Glück gehört zu dem allem auch. Dein alter Nedamitzer Pfarrer hat auch einen guten Kern gehabt und hat's wohl auch an Fleiß nicht fehlen lassen, aber ihm hat das Glück gefehlt, in die richtigen Verhältnisse gekommen zu sein. Was hörst Du von ihm?«
Frohwalt erzählte, was er wußte, und der Vetter vergaß, an seinem Pfeifchen zu saugen.
»Hm, hm, – also abgethan – in's alte Eisen – das wird er nicht lange aushalten! Höre, Peter, das ist ein elend' Leben, wie's ihm zuteil geworden ist. An der richtigen Stelle, in guten Händen, wäre er ein brauchbarer Kerl geworden, aber die Theologie allein thut's nicht. Also in der Spornergasse sitzt er mit seinem alten Zinnkrug – da will ich doch einmal zusehen, was er macht. Kommst Du mit?«
Frohwalt wurde einigermaßen verlegen.
»Ich bin heute mittag beim Kanonikus Kupetz eingeladen, der seinen Namenstag feiert, darum muß ich Dich sehr um Entschuldigung bitten, wenn ich mich nachmittags Dir nicht widmen kann. Du nimmst mir's nicht übel – bitte – morgen stehe ich dafür den ganzen Tag zu Deiner Verfügung.«
»Selbstverständlich, mein Sohn, kommt erst der Herr Kanonikus – nein, übelnehmen ist nicht! Da paßt mir's doppelt, wenn ich Deinen alten Parochus wiederfinde und ihn vielleicht in die freie Natur locken kann; denn in den Gassen ist mir's heute unheimlich. Ich begleite Dich über die Brücke nach der Kleinseite!« – So geschah es, und bald schritten sie selbander durch den alten Brückenturm und bewegten sich langsam im Gewühle der Menschen, welche heute mehr als je die Brücke belebten, vorwärts. Vor dem Standbilde des heiligen Johannes gab es eine kleine Stauung; der Adjunkt zog andächtig seinen Hut, Vetter Martin aber nickte dem Heiligen vertraulich wie einem alten Bekannten zu.