Vor der Wohnung des Pfarrers trennten sie sich, nachdem Frohwalt dem Alten einen Gruß aufgetragen hatte, und dieser stapfte nun langsam über den unfreundlichen Hof und die Treppe im Hintergebäude empor. Er erschrak, als er bei dem Pfarrer eintrat, über die Aermlichkeit dieser Verhältnisse, noch mehr aber, als er den Bewohner dieses Raumes auf seinem alten Sopha, bedeckt mit einem zerschlissenen Schlafrock, liegen sah. Der Mann sah elend und heruntergekommen aus mit seinem fahlen Gesicht und den breiten Säcken unter den schwimmenden Augen.
»Ach, der Vetter Martin!« rief er jetzt, sich halb emporrichtend, und eine schnelle Röte, ob der Freude oder Verlegenheit wäre schwer zu sagen gewesen, flog über das graue Gesicht.
»Na ja, da sind wir, Herr Pfarrer,« knurrte der Alte, halb fröhlich, halb gerührt, und indem er mit der Rechten die Hand des andern drückte, hielt er ihn mit der Linken davon ab, aufzustehen.
»Liegen bleiben, liegen bleiben – Sie sind krank!«
»Ja, ich bin leidend!« seufzte der andere – »schwere Beine, schweren Kopf, elenden Magen, ich wollt', ich läge auf dem Nedamitzer Kirchhofe, denn in meinem Dorfe muß es tot hübscher sein, als hier lebendig. Nehmen Sie Platz – das ist mir eine rechte Freude in meinem Elend!«
Martin saß schon neben ihm am Tische und sagte:
»Der alte Diogenes hat in einer Tonne gewohnt, und da war's wohl noch unbequemer als bei Ihnen!«
»Ja, der alte Diogenes!« seufzte der Pfarrer – »der hat's immer noch hübscher gehabt als ein alter Priester mit seiner Hungerpension. Ich setzte Ihnen gern irgend etwas vor, aber ich habe nichts zu Hause …«
Das klang so traurig und ergreifend, und Martin hatte die Empfindung, als ob der alte Herr sich schon lange nicht satt gegessen haben müßte; er sagte: