»Na, da hatte ich mich darauf gefreut, einmal mit Ihnen Mittag essen zu können; selbstverständlich sollten Sie mein Gast sein, denn in Nedamitz war ich der Ihre – aber Sie können wohl nicht ausgehen?«
»Ich bin zu elend heute, darum habe ich mir von meiner Nachbarsfrau nur eine Wassersuppe kochen lassen – –«
»Hm, eine Wassersuppe und heute, zum heiligen Feiertage – –«
»Und zu meinem Namenstage obendrein!« seufzte der alte Priester und seinem Besucher that das gute Herz weh. Er dachte daran, wie der Kanonikus Kupetz seinen Namenstag feiern werde, und der arme Teufel hier hätte sich an den Brosamen seines reichen Tisches satt essen können; er fragte:
»Haben Sie denn jemanden, den Sie fortschicken können, und der Ihnen etwas besorgt?«
»O ja, die Nachbarsfrau!«
»So – na, dann erlauben Sie mir, daß ich mir mein Mittagessen zu Ihnen holen lasse, mir paßt das Feiertagstreiben heute nicht!«
Dann ging er eilends hinaus, und der Pfarrer sah ihm mit verwunderten Blicken nach. Er erhob sich indes doch, und suchte nach einem Rock und einem alten, schmutzigen Collare, und als Vetter Martin nach kurzem zurückkam, fand er ihn in der Sophaecke sitzend.
»Das ist nichts mit Wassersuppe für Ihren schwachen Magen – glauben Sie mir, Herr Pfarrer – eine gebratene Taube ist für einen Kranken viel besser! Ich habe mir erlaubt, eine für Sie kommen zu lassen, und will Ihnen zu Liebe auch einmal meine vegetarischen Grundsätze beiseite thun. Wir wollen denken, wir säßen in der Nedamitzer Pfarrei und wollen auch den heiligen Nepomuk feiern!«