»Auch das würde ich Ihnen ewig danken, lieber Herr –«

»Na, sagen Sie ruhig: Vetter Martin! Das bin ich gewöhnt, und ich habe meine Neffen beinahe in allen Kulturstaaten sitzen, da kommt's auf einen mehr bei meiner Erbschaft nicht an. Aber ohne Scherz: Sie sind mir um Ihres Vaters willen wie ein lieber Verwandter, und ich helfe Ihnen. Top! Und wenn wir Sie erst heraushaben aus dem Seminar, dann besuchen Sie die Kunstakademie, vorausgesetzt, daß Sie Talent haben – ich will mir morgen einmal die Dilettantenleistungen Ihres Pinsels ansehen – und wenn Sie was Rechtes sind, dann gehen Sie wieder zu Therese Holbert – –«

»Nein, Vetter Martin,« seufzte Stahl mit kläglicher Miene – »sie hat mich in einer Weise abfahren lassen, daß ich fürchten muß, es sitzt wirklich schon ein anderer im Herzen –«

»Dann lassen Sie ihn sitzen, mein Junge! Theresen giebt's noch mehr!«

»Aber nur eine Therese Holbert.«

»Darüber reden wir erst in den nächsten Kapiteln. Fürs erste – haben Sie denn heute Urlaub, so lange auszubleiben?«

»Nein, ich habe mich eben in meinem Unmut hier festgesetzt, bereit, es auch auf eine Ausschließung aus dem Seminar ankommen zu lassen, nur um frei zu werden.«

»Nur ruhig' Blut, junger Freund! So geht das nicht; Sie müssen mit Ehren abgehen. Ich begleite Sie jetzt nach Hause, erzähle Ihrem Rektor, daß Sie einen guten Bekannten Ihres Vaters getroffen, und bitte für Ihre Versäumnis nachträglich um seine Entschuldigung. Und dann findet sich das Weitere!« – –

So kam Vetter Martin an diesem Tage noch einmal nach der Kleinseite herüber, und nachdem er im Wendischen Seminar glücklich seine Absicht erreicht hatte, schritt er langsam und trotz des Menschengewühls auf der Brücke doch mit einer stillen Befriedigung in der Seele wieder nach dem »Alten Ungelt« zurück.

Am nächsten Morgen holte ihn Frohwalt beizeiten ab, und nachdem sie zuerst im Kinskyschen Garten auf dem Smichow, der im ersten Frühlingsschmucke ungemein freundlich war, einige Zeit zugebracht hatten, gingen sie wieder nach der Kleinseite, um den alten Pfarrer zu besuchen. Zuvor aber gedachte Martin, sich über die künstlerische Befähigung Hans Stahls zu unterrichten, und während er Frohwalt nach der Spornergasse vorausschickte, ging er nach dem Wendischen Seminar.