Er riß sich Rock und Hemde auf und zeigte seine nackte Brust, und alle, die ihn hörten, standen tief erschüttert. Konrad aber trat auf ihn zu und erfaßte ihn am Arme.
»Komm Jakob – ich will dich zu deinem Vater führen!« sagte er ruhig und ernst. Da lief ein Zittern durch die Glieder des Burschen, und er senkte tief den Kopf. So zog ihn Konrad mit sich fort durch die schweigenden und verwunderten Kampfgefährten, vorbei an dem mit Eichenlaub bedeckten Grabhügel des jungen Helden und Dichters. Willenlos folgte Jakob, aber auf der Landstraße drüben, die gegen Wöbbelin führte, blieb er plötzlich stehen und sagte:
»Herr, ich hab' Ihnen Schlimmes angethan und bin elend bis in den Grund meiner Seele hinein, wie ich jedoch die begeisterten Gesichter und die leuchtenden Augen Ihrer Kameraden sah bei dem Grabe da drüben, da hat es mein verlottertes Herz zusammengeschüttelt, ich weiß aber auch, daß ich ein Auswurf bin und bei ehrlichen Leuten nichts zu suchen habe. Herr, ich kann meinem Vater nicht unter seine braven Augen treten! Und wie kommt er hierher aus seinem Walde? Hat auch er etwa …«
»Ja, er trägt den Rock seines Königs und bringt sein graues Haar und sein Herzblut dem Vaterlande!«
Da schlug der Bursche wieder die Hände vors Gesicht und schluchzte:
»Und ich bringe ihm solche Schande – – nein, nein, ich kann ihn nicht sehen – lassen Sie mich erschießen, Herr!«
»Auch dein Blut gehört dem Vaterlande, und wenn dein Vater deine Reue sieht, wird er glücklich sein. Von dem, was hinter dir liegt, soll er nichts erfahren. Komm!«
Jakob atmete tief und schwer.
»Ja, kommen Sie! – Ich will ihn wenigstens sehen, den alten Mann, dann wird geschehen, was sein muß!«
Sie gingen schweigend weiter; da kam ihnen bei einer Biegung des Weges ein ergrauter Kriegsmann entgegen und ihm zur Seite trottete ein Hund. Das Tier hob jetzt den Kopf und gleich darauf kam es in langen Sprüngen heran und strebte an Konrad herauf. Da lief ein Zittern dem Burschen durch den Leib.