»O, daß ich durch den unseligen Sturz mit dem Pferde ein Krüppel bin! Wär' ich's nicht, so spräch' ich: Walther, wir gehen zusammen! Bei Gott, ich hab' kein Recht, dich zu halten, wenn das Herz dich hinzieht zum heiligen Streite. Geh' mit Gott! Ich werde morgen früh jemanden schicken, der einstweilen deine Stelle versieht, du aber hilf mit, das Vaterland zu retten von Schmach und Knechtschaft! Der Himmel sei mit dir und mit allen braven Streitern und mit unserem guten König!«
Noch ein Druck der Hand, dann wendete sich der Edelmann tief ergriffen ab und schritt langsam nach dem Friedhofsthor; der Förster aber legte noch einen Zweig von Tannenreis auf den frischen Hügel, sprach ein leises Gebet und verließ mit Konrad Schmidt ebenfalls den Gottesacker.
Am nächsten Tage aber zogen die beiden hinaus aus dem stillen, weltfernen Forsthause. Der Alte hatte mannhaft jede weiche Regung unterdrückt, der alten Magd kräftig die Hand geschüttelt, seinem bereits eingetroffenen Stellvertreter gleichfalls, hatte dem Kettenhund, wie dem treuen Flott die Köpfe gestreichelt, und den letzteren, der sich ihm anschließen wollte, zurückgescheucht und schritt nun, die Büchse über der Schulter, einen derben Stock in der Hand, die Straße fürbaß an der Seite seines jungen Freundes.
Zu Seite 19.
Solange es durch den Wald ging, war er still und schweigsam; jeden Baum blickte er an, als wollte er Abschied nehmen, und er kannte sie ja auch alle. Als er einen Specht in der Ferne pochen und fast gleichzeitig den Kuckuck rufen hörte, blieb er einen Augenblick stehen und nickte mit dem Kopfe, als wollt' er sagen: »Ja, ja – ich kenn' auch euch!«
Als sie auf die freie Straße hinaustraten und über das Land schauten, kam der erste Sonnenstrahl dieses Tages und huschte wie ein freundliches Lächeln über die Gegend hin.
»Das nehmen wir zum guten Zeichen – wir gehen der Sonne entgegen!« sagte Konrad Schmidt, und der Förster drückte ihm wie zu stillem Einverständnis die Hand. Dieser aber wendete sich noch einmal zu seinem Walde zurück. Da sah er in weit ausgreifenden Sprüngen seinen braunen Hund heranjagen, und gleich darauf sprang das Tier wie ungebärdig vor Freude an ihm empor und wedelte heftig mit der schönen Rute.
»Nehmt ihn mit, Walther – ein treuer Gefährte mehr ist immer gut, und wenn's ein Hund wäre.«
»So komm!« sagte der Förster, und Flott bellte laut und lustig und sprang auch an Konrad empor, als ob er ihm danken wollte für seine wirksame Fürsprache. So wanderten sie ihre Straße gegen Breslau.
Dekoration