»Ihnen fehlt es nicht an Händen,« erwiderte Elise – »aber Krieger können nicht genug ins Feld gestellt werden, und wenn Gott uns den Mut zum Kampf ins Herz gelegt hat – warum sollen wir seinem Drange nicht folgen dürfen? – Vater, rede du! Du hast mich so erzogen wie ich bin, gesund an Leib und Seele, und hast's nicht beklagt, daß ich kein Sohn war, weil ich dir einen solchen stets zu ersetzen bemüht war – Vater, soll ich mit meinem heißen, begeisterten Herzen vergehen, während hunderte von Braven verbluten?«

Dr. Wendler atmete tief, dann sprach er:

»Einem jeden weist Gott sein Schicksal zu. Dich hat er auf ungewohnten, aber nicht schlechten Pfad geführt, und wenn das Vaterland in schweren Zeiten besonders große Opfer verlangt, so will ich solche bringen. Man hat eine Eleonore Prohaska nicht als unweiblich verworfen, man hat sie gefeiert als eine Heldin, drängt dich's in ihre Spuren, so geh' mit Gott, der dir auch die rechte Stunde zeigen wird, in welcher du diesen Rock ausziehen sollst.«

Schweigend lehnte sich Elise einen Augenblick an des Vaters Brust, der Zimmermeister aber sah sein Weib an, fragend und ernst. Sie verstand ihn und sagte leise:

»So mag's in Gottes Namen sein – was andere Mütter können, muß ich auch tragen lernen!«

Lühring gab ihr die Hand, dann reichte er sie seiner Tochter, und ein Augenblick heiliger Stille ging durch den Raum; da erschien Walther mit seinem treuen Hunde und ward freundlich und freudig begrüßt.

An Stoff zum Gespräch war kein Mangel, und daß gleich anfangs auch Konrads gedacht wurde, ist selbstverständlich. Er war gleichfalls mit in Bremen eingezogen und hatte bei dem Eide sein Schwert auf jenes Fischers gelegt. Walther hatte auch eben erst mit ihm gesprochen und ihn darüber klagen hören, daß er so lange nichts von seiner Braut vernehme. Alle wurden beinahe von Rührung erfaßt, daß die beiden Menschen einander so nahe waren, ohne daß Konrad das ahnte, und es wurde besprochen, daß Dr. Wendler ihn aufsuchen und ihm Grüße von seiner Braut bringen sollte, die für Schmidt freilich nach wie vor in Leipzig war. Eine Begegnung mit dieser ließ sich ziemlich sicher vermeiden, da er ja keine Ahnung hatte, in welchem Gewande er sie suchen müsse, da außerdem der Aufenthalt der Lützower in Bremen nur wenige Tage dauern konnte, und da Elise diese Zeit im Hause Lührings zu bleiben gedachte, wo jeder Verdacht leichter vermieden werden konnte, als im Hause der Großtante.

Erst gegen Abend trennte sich Walther von den lieben Menschen, um nach seinem Quartier zu gehen.

Als er hier ankam, wurde er mit der Nachricht empfangen, daß er schon seit einiger Zeit erwartet werde. Er trat in seine Stube ein und sah Konrad Schmidt und neben diesem seinen Sohn. Jakob trug die Uniform der preußischen Reiter und hatte auf der Brust das eiserne Kreuz.

»Vater, darf ich kommen?« rief er, und die Stimme zitterte ihm, der Alte aber breitete, ohne ein Wort zu sagen, seine Arme aus, preßte ihn an seine Brust, und die Thränen rollten ihm nieder in den Bart. In stummer Ergriffenheit stand Schmidt daneben, und ihm wandte sich jetzt der Förster zu; während er mit dem linken Arme den Sohn umschlungen hielt, reichte er die Rechte dem jungen Freunde.